Snippets from London. Ein Dezemberspaziergang (Teil 5)

81.

Ein Entschluss: Ich wende mich nach Süden. Nur ein paar Schritte abseits der High Street Kensington liegen betörend schöne, ruhige Wohnstraßen mit edlen kleinen Geschäften. Sie sind wie hingezaubert mit ihren hübschen Treppenaufgängen, viel hellem, sauberen Putz, immergrünen Laubbäumen, die sich im Wind sanft wiegen und glänzen vom Regen. Hinter jeder Tür liegt hier ein Zuhause, das ist unverrückbar, ein sicheres Versprechen, in das heimzukommen eine Freude ist, so muss das sein. An die Realität von Mietpreisen will ich nicht denken.

82.

Der Regen nimmt weiter zu und ich beginne zu ahnen, dass der Weg länger sein wird, als gedacht. Kein „Abstecher“, wird mir bewusst, als ich durchnässt an ein Kirchtor trete, um den Namen abzulesen und auf der Karte meinen Standort zu bestimmen. Ich lege mir ein System auf, um den Weg beherrschbar zu machen: Abwechselnd will ich rechts und links abbiegen. Ich halte mich streng an das Muster, lasse nur ein einziges mal eine schmale, dunkle Gasse aus, die mir nicht geheuer ist, die vielleicht in einen Hof enden wird. Rechts, links, rechts, links, rechts, links, rechts.

83.

In einer Straße mit zurückhaltendem Geschäftsaufkommen prunkt ohne jede Verlegenheit ein Schauraum mit Ferraris. Das also ist South Kensington.

84.

Oakley Street. Hausverschönerungen im schmucken Chelsea, die Eingangstür zu dem altehrwürdigen Haus − ein paar Treppenstufen erhöht − steht offen, im Hintergrund Handwerker, ein paar Mörtelsäcke. Ein Mann liegt auf dem Flurboden, einen Arm auf dem Boden aufgestützt, mit der anderen Hand schlägt er den Lack der Tür ab. Autos rollen durch die Straße, der Regen rauscht und die Luft strömt kühl, doch den Mann stört es nicht, dort auf der Schwelle zu liegen. Ganz sicher wird das Haus am Ende noch schmucker aussehen.

85.

Nach dem letzten Schwenk nach rechts strahlt vor mir die Albert Bridge über der Themse. Ein Lichterfest.

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Abendlicher Blick vom Battersea Park auf die Albert Bridge

86.

Sofort nach der Brücke schlage ich mich nach links und gehe die lange gerade Uferpromenade des Battersea Parks entlang. Zuerst wirkt der Park fast leer, beinahe nächtlich schon. Eine einzelne Spaziergängerin mit Schirm kommt mir entgegen, dann ein Jogger. Hinter einer Pagode mit Buddhastatue trainieren zwei Mädchen Kickboxen im trüben Licht einer Laterne. Die Kleinere klagt, sie ist müde, aber auf die Aufmunterung der anderen hin schlägt sie immer weiter. Klatschen von Leder mit jedem Schlag und Tritt in die Handschuhe. Die beiden lachen. Dann kommt mir eine ganze Gruppe entgegen, ihr Gang ist so merkwürdig, dass ich für einen kurzen Moment an eine Zombiemeute denken muss. Schon geht mein Blick instinktiv nach rechts, sucht nach Ausweichwegen in den Park. Der Realitätsfilter in meinem Kopf macht aus den Zombies im nächsten Augenblick eine Gang auf Drogen. Dann endlich entschlüsselt mein Hirn die Bewegungsabläufe: Es sind Sportler bei Aufwärmübungen. Sie tragen kurze Klamotten, der Dezemberregen rinnt ihnen übers Gesicht. An die Kaimauer schlagen Wellen, die ein schnelles Boot ausgelöst hat, für einige Sekunden lebt die Illusion einer Brandung mitten in London. Am Parkplatz leuchtet es, Weihnachtsbäume werden feilgeboten. So viel Leben, was zuerst verlassen wirkte.

87.

Über die Chelsea Bridge mache ich wieder auf das andere Ufer rüber. Auf den anderthalb Kilometern bis zur Vauxhall Bridge kommen mir Dutzende Jogger entgegen. Die harten Platten des Thames Path − hier nur ein Gehweg neben einer großstädtischen Hauptstraße − dürfte weder für Dauerlaufer noch für Fernwanderer attraktiv sein. Das tut der Zahl der Sportwilligen keinen Abbruch. Anpassung an ein Ökosystem.

88.

Über die Lambeth Bridge wechsle ich erneut auf die südliche Uferseite über. Auf der Brücke kann ich das Riesenrad von The London Eye erspähen. Endlich wieder eine bekannte Landmarke. Ich passiere den Palace of Westminster und Big Ben schlägt auf der anderen Flussseite sieben Uhr. Ich erwarte die bekannte sonore Stimme: „BBC News“. Aber ich höre nur den Verkehr, Schritte, Autorauschen.

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The London Eye

89.

An der Westminster Bridge verlasse ich den Uferweg und nehme eine Straße nach Waterloo hinein. Ich merke, dass ich nicht mehr die Aufmerksamkeit für die Wahrnehmung von Details habe. Mein Gang ist zum mechanischen Trott geworden, die feuchte Kleidung hängt am müden Leib. Das helle Gebäude des British Film Institutes, ein paar Schritte neben der Royal Festival Hall lockt mich nochmals aus meiner Innenwendung. Ich trete durch den Eingang und bin in einer anderen Welt, auf einer anderen Reise. Plakate von alten Filmklassikern  − Themenwochen „Gothic. The Dark Heart of Film“ − prangen an den Wänden, die offene Bar ist gut besucht von schwatzenden, fröhlichen, eleganten, ganz und gar nicht regennassen Menschen, links liegt ein Shop mit Filmdevotionalien. Ehrfürchtig wandere ich zwischen den DVD-Reihen hindurch: nicht nur Produkte einer Unterhaltungsindustrie, sondern irgendetwas Höheres. Eigentlich kaufe ich keine DVDs mehr und habe im Augenblick nicht einmal die technischen Voraussetzungen, mir zuhause Filme anzusehen, trotzdem bringe ich dem Gott des Kinos ein Opfer dar und bezahle bei einem liebenswerten Verkäufer für eine eklektische, aus dem Bauch heraus getroffene Auswahl: „The Claude Chabrol Collection, Volume 2″, „The Battle of Algiers“ von Gillo Pontecorvo und Abderrahmane Sissakos „Bamako“ aus Mali. Hellwach verlasse ich das Filminstitut und weiß, ich werde irgendwann wiederkommen, auf einer anderen Art der Londonreise.

90.

Ich stehe unter der Waterloo Bridge und weiß nicht genau, wohin weiter. Ein Passant fragt einen Mann in Trenchcoat nach dem Weg, also stelle ich mich an. „I am not a tourist guide“, erhalte ich zur Antwort. Ich finde den Weg auf die Brücke und überquere ein letztes Mal die Themse. Der Blick auf Downtown ist unverhüllt. Die kalte himmelstrebende Macht der Wolkenkratzer hat ihren eigenen Reiz und trotzdem begreife ich die Motivation nicht, diese Gebäude zu errichten. Sie werden nicht überdauern, dessen hin ich mir sicher. Stehen sie in 200 Jahren noch? Ich meine nein. Manch anderes hier in dieser Weltstadt ja, aber nicht diese Wolkenkratzer.

91.

„Hummus bros − give peas a chance“

92.

„Food and wine − open till late“. Was „spät“ auch immer genau bedeuten mag, die Leuchtreklame ist Trost in der abendlichen Dunkelheit.

93.

Als ich in meiner Unterkunft ankomme, glüht mein Gesicht, ich habe rote Wangen und fühle mich blendend − wie nach einem Tag in der Sonne. Sonne hatte ich heute nicht viel, nur zehn Stunden Fußmarsch und Wind und Wetter. Das wirkt offenbar ähnlich.

94.

Hostelgespräche. Dem Amerikaner unter meinem Bett war morgens in der Dusche der Geldbeutel gestohlen worden, das heißt vor der Dusche: nur einen Armgriff weit hinter dem Duschvorhang … Sein halber Tag hatte daher aus den leidigen Konsequenzen des Diebstahls bestanden. Immerhin war die Börse schlussendlich auf der Straße wiedergefunden worden − Bargeld weg, Papiere und Kreditkarte aber noch da. Ein Glück. Die beiden englischsprachigen Mädchen sind weitergereist, neu ins Zimmer kam dafür Ali, der Bengale aus Lincolnshire, ein sehr lustiger junger Bursche mit Schnurrbart. Er hatte den Raum gewechselt, weil ihm die Frauen in seinem ersten Zimmer zu schnatterhaft waren, behauptete er, doch der Münsteraner, der bereits betrunken und sehr laut hereinkommt, stört ihn angeblich nicht. Ali bietet uns allen von seinem indischen Essen an, es fallen viele Worte um die scharfe Soße. Der Amerikaner zeigt sich als schärfeempfindlich, es braucht viel Überredung, bis er sich bereit erklärt, ein bisschen von der Soße zu kosten. Der Münsteraner, der den Amerikaner schon die ganze Zeit so sehr provoziert, dass ich in Bereitschaft bin, einzuschreiten, sieht eine Möglichkeit, aufzutrumpfen. „Es ist kein bisschen scharf!“, tönt er laut, „kein bisschen!“ „He‘s got balls“, hatte Ali zuvor noch anerkennend genickt, als der Münsteraner beherzt zugegriffen hatte. Jetzt schaut er ihn an, sein Gesicht ist freundliche Ausdruckslosigkeit, und er sagt nur: „So so, gar nicht scharf.“ Zu viele Eier, dieser Münsteraner …

95.

Der nächste Morgen ist klar. In einem italienischen Café leuchten orangen Overalls und Jacken. Fast alle Gäste tragen diese Kleidung des städtischen Straßendienstes. Stammcafé oder morgendliche Betriebsfeier? Der Wirt, der mir in höflichster britischer Manier ein urenglisches Frühstück hinstellt − Toast, Spiegelei, Bohnen, eine große Tasse Tee („milk, no sugar“) − hat seinen südkontinentalen Akzent noch nicht verloren.

96.

Zum Abschied noch einmal ein indisches Essen, ein Lokal mit fünf Tischen und einem Mittagsbuffet. „Everything‘s vegetarian?“ „Yes of course, Sir.“ Chiliglut und Abschiedstrauer.

97.

Unter den Treppenaufgängen oder hinter den Liftschächten von St. Pancras Klaviere, in Pastellblau angestrichen und verstimmt. Es sitzen Menschen daran, eine Tasche umgehängt entlocken sie den Tasten Liedern. Ein Kunstprojekt? Am dritten und letzten steht ein Mann statt zu sitzen leicht versetzt zum Instrument, wie um zu demonstrieren, dass er nicht wirklich zum Klavier gehört − eine Unterstreichung einer Fremdheit −, mit nur einer Hand klimpert er behutsam auf den Tasten. Nein, die Spieler sind nicht Teil eines Projekts, die Klaviere stehen wirklich für alle Menschen einfach dort in der Bahnhofsvorhalle. Als ich die Reihe zurückgehe, hat an einem Klavier der Spieler gewechselt, ein Jugendlicher schlägt nun die Tasten an, drei Mädchen und Jungen stehen im Halbkreis drumherum, die Rücken schützend nach außen gewendet, und sie singen zur Melodie. Die Welt bräuchte öfters so etwas wie diese Klaviere in St. Pancras.

98.

Die letzte Stunde bricht an. Ich überbrücke mit einem Kaffee am Bahnhof, frage nach einer Möglichkeit, mein Smartphone aufzuladen. Es gibt keine Steckdose im Café, doch ein junger Kellner erklärt sich bereit, mein Smartphone hinten im Büro einzustecken. Zuerst will ich ablehnen, so viel Höflichkeit hatte ich nicht erwartet. Als der junge Mann versichert, dass es wirklich keine Mühe mache, drücke ich ihm Gerät und Adapter in die Hand. Als ich es nach dem Kaffee wieder abhole, reiche ich ihm mit Vergnügen Trinkgeld. Er strahlt.

99.

Die Schlangen zum Eurostar rücken langsam voran. Eine betagte britische Lady vor mir − rosa Jäckchen, rosa Passhülle − wird beim Durchtreten des Scanners zur Seite gewunken. Verschmitzt meint sie später zu mir: „I never had a body search before.“ „Congratulation“, lache ich.

100.

Der Zug rollt an. 50 Stunden London liegen hinter mir. Ich glaube, ich hatte so viel gesehen wie noch nie in einer Stadt in solcher Zeit. Und hatte kein einziges Mal ein anderes Verkehrsmittel als meine eigenen Füße benutzt.

Dezember 2013.

Snippets from London. Ein Dezemberspaziergang (Teil 4)

65.

Ein Verkehrsschild an der Wellington Road verkündet eine einfache Botschaft: THE NORTH (M1). Solche Angaben gefallen mir. Der Norden. Der Süden. Ein ganzes, weites Land steht offen.

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Die Post wird ausgefahren.

66.

An der langen Mauer des Lord’s Cricket Ground, der Adresse schlechthin für Cricket auf diesem Planeten, vorbei. Nur am Bicentenary Gate erlaubt die hohe Wand einen winzigen Blick hinein − und damit hinaus aufs Spielfeld der vielleicht merkwürdigsten aller britischen Sportarten.

67.

Aus Lord’s Tavern − The Home of Cricket − dringt der bestechende Geruch von Knoblauch. Das Wasser läuft mir im Mund zusammen wie beim pawlowschen Hund nach Ertönen des Glockentons. Auch die englische Küche hat die Knolle längst erobert.

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Blick in eine Seitenstraße.

68.

In der St. John’s Wood Road steht ein Umzugslaster. Der Stoffbezug des Sofas auf dem Bürgersteig ist ungeheuer britisch. Ich will es fotografieren und traue mich vor den Augen der Möbelpacker nicht. Also lungere ich ein bisschen herum und warte eine Zigarettenpause der Möbelpacker ab. Wie ein Dieb nutze ich den Augenblick und knipse das Sofa.

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Die Wächter sind kurz ausgetreten.

69.

Und dann am Clifton Court keine Ziegelsteine mehr, sondern ohne Vorwarnung Fachwerkfassade, einen Block lang. Ein ganz neuer Blick auf die Stadt.

70.

Dort, wo die Maida Vale in die Edgware Road mündet, beginnt wieder ein neues London. Die Straße zeigt sich breit und amerikanisch, wie die Achse einer Pionierstadt. Die eigentlichen Häuser sind zurückversetzt hinter einstöckigen Ladenräumen mit Flachdach. Überall werben Aushänge, ein Wald an Reklametafeln säumt die Straße. Ein großer Teil der Aufschriften sind in arabischen Lettern. Nicht umsonst gilt die Edgware Road als das arabische Viertel Londons. In den Seitenstraßen sind Marktstände aufgebaut: Kleidung, Elektrowaren, Fisch, Grillhähnchen. Ein libanesisches Restaurant neben dem Malergeschäft, eine Buchhandlung mit goldgeprägten Koranexemplaren zwischen dem Frisör und der „Herbal Acupuncture“. Arabisches Viertel ist allerdings zu knapp gefasst. Auch türkische, kurdische, iranische und andere, weiter östlich gelegene Regionen sind an der Edgware Road vertreten: Eine Chinesin verkauft Falafel, ein Inder Fernseher.

71.

Ein später Lunch, das Gespräch mit dem Kellner ein englisch-arabischer Mischmasch. Ich bestelle Mezze: hummus beiruti, muhammara, batata harra und dazu dschulab, ein süßes Getränk aus (in diesem Fall) Tamarinde und Rosenwasser und reichlich Pinienkerne, die − welch Verschwendung der teuren Kerne − teils im Glas zurückbleiben. Ich greife mit der Gabel aus drei Fingern und Fladenbrot in die Tellerchen und genieße den Klang der arabischen Sätze, die sich die Kellner zuwerfen. Zum Abschluss ein italienischer Espresso. Man muss sich das Beste aus allen Kulturen heraussuchen.

72.

Glaspaläste hinter der Baustelle Merchant Square Paddington. Als Kontrast dazu die linke Fahrspur: Sie ist randvoll mit Black Cabs − den Londoner Taxis, die einen Zeitsprung hinter sich haben zu scheinen.

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Aufzugtürme in Paddington.

73.

Jesus rettet auch hier. Das kleine Eckcafé Sao Vicente finde ich attraktiver als die Assembly of God Church im Stockwerk drüber.

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Jesus saves. Alternativ ein Galao.

74.

Im Kanal vor der Bahnstation Paddington sprudelt das Wasser in einer Sinuskurve. Warum? Vage ist unter der Oberfläche der Verlauf eines Schlauchs zu erkennen. Das Viertel um den Bahnhof bewahrt den rauen Charme eines alten Industrieviertels. Allerlei Health Care-Einrichtungen haben sich in den dunklen Ziegelbauten im Hinterhof des Bahnhofs niedergelassen. Darf daraus eine Aussage über das Gesundheitswesen in Großbritannien abgeleitet werden?

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Industriekanal hinterm Bahnhof.

75.

Die Gleise von Paddington sind vor dem Blick verborgen, abgeschirmt wie alle Bahnhöfe in diesem Land. Wunden von Nine-Eleven und den Anschlägen vom 7. Juli 2005. Die Erinnerungen in Schwarzweiß aus einer Agatha-Christie-Verfilmung zerschellen an den gesichtslosen Mauern postmoderner Sicherheitspolitik.

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Tore in der London Street.

76.

Nach traurigen Winterwegen zwischen Pferdeäpfeln und Nachmittagsdunst im Hyde Park  überrumpelt die Weltstadt mit dem Glanz von Kensington. Todschick die Adresse des Goethe-Instituts in der Exhibition Road gegenüber dem Imperial College. Fast benachbart ein mehr als repräsentativer Bau der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Eine Jesusstatue in klassizistischem Stil empfängt im Vorraum des Mormomengebäudes, die Botschaft des Herrn wird über einen Werbeflachbildschirm zur Straße hin ausgestrahlt. Es ist eine unverhohlene Prachtstraße und ich setze mich in der windigen Abenddämmerung auf eine Bank vor dem Science Museum, um die mondäne Atmosphäre aufzusaugen. Hierher würde ich gerne öfters kommen: um zu schlendern, zu sitzen, zu schauen. Auf der anderen Seite der Sitzbankreihe skypt ein Mädchen über das Smartphone mit einem Jungen. Andere sprechen mit Ohrstöpseln und Blick aufs iPad, während sie Einkaufstüten durch die Gegend tragen. Die Geisterkommunikation im Gehen ist allgegenwärtig.

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Mormonenglorie in London.

77.
„zeig den tommies wo der pimmel hängt!!!“, lese ich auf der Bank eine Nachricht aus Deutschland. Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Handlung ich daraus ableiten soll.

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Royal Albert Hall

78.

High Street Kensington. Gen Westen ziehen sich teure Einkaufsstraßen. So chic. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in diesem Viertel und wusste bis eben nicht einmal, dass hier überhaupt noch etwas ist, hatte naiv schon Vorstadt um Vorstadt erwartet. Der Weihnachtsrausch hat die Konsummeile im Griff. Zeitungsverteiler im Regen oder an den Eingängen der U-Bahn-Station bilden kleine Inseln in den Strömungen aus Kreditwürdigkeit und Stil. Der Blick in einen offenen Krankenwagen, der auf einen Patienten wartet, ist ein Bruch in dieser heilen Welt des Geldes. Die Menschen aber hasten so schnell vorüber, dass sie kaum die Gelegenheit haben, dieses Zeichen wahrzunehmen. Ich stelle mich in einer Passage unter, werde selbst zur Insel. Der „Evening Standard“ wechselt bergeweise die Hände am U-Bahn-Eingang. Gegenüber meiner Nische strahlt eine minimalistische Sushi-Bar mit verschwenderisch hohen Decken und Stühlen aus durchsichtigem Kunststoff. Ich stehe und schaue und die Augen der Überwachungskameras machen mich nervös. Also schiebe ich das Notizbuch wieder in die Seitentasche und übergebe mich wieder der Strömung, ein Fisch unter vielen.

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Kensington, auch für Reiter.

79.

In der Auslage eines Geschäftes hängt ein großformatiger „Family Organizer“ für die Küchenwand, ein Stundenplan für die gesamte Familie. Ja, in Zeiten des Fort- und Weiterbildungsterrors unserer Kinder ist so etwas dringend geboten …

80.

Kensington, Ecke Holland Street. Weiter westlich will ich nicht mehr. Eigentlich hatte ich vor, noch bis Notting Hill nördlich meines Standpunkts zu kommen, dann aber über Chelsea genau entgegengesetzt im Süden zurückzukehren. Es ist dunkel, nass, die Akkus von Fotoapparat und Smartphone sind leer und ein langer Rückweg liegt vor mir. Was tun? Links oder rechts? Augenblicke der Verlorenheit, während der Regen über die Umgebungskarte der Haltestelle strömt und die Straßennamen verwischt, als wären sie nie dagewesen.

Dezember 2013. Fortsetzung folgt.

Snippets from London. Ein Dezemberspaziergang (Teil 3)

47.

Wie schamlos junge Männer sein können. Laut sind die deutschen Jungs, als sie spät nachts in den Schlafsaal kommen, laut sind sie morgens, laut und ungehemmt. Und dann erzählen sie noch, dass sie nachts ins Waschbecken des Zimmers gepinkelt haben, um nicht die zehn Schritt über den Flur aufs Klo zu müssen. Mir tun die zwei englischsprachigen, flüsternden Mädchen leid, die noch mit im Zimmer sind und all das ertragen müssen. Ich frage die beiden schließlich, ob sie es aushalten unter all den lauten Deutschen. Es beeindruckt mich, als das kleingewachsene Mädchen zu einer Beschwerde anhebt. Die anderen werden sich später über es lustig machen. Ich schäme mich.

48.

Der Himmel hängt tief. Nur ein paar Schritte von meiner Unterkunft entfernt betrete ich fürs Frühstück das „Moreish Café Deli“ an der Ecke Marchmont Street. Spanisch-englische Speisen und Feinkostwaren, andalusische Kachelwände, ansprechende Holztische, ein wunderbar robuster, thekenartiger Tisch entlang der Fensterwand. Das rissige, verfärbte Holz erinnert mich an den großen Küchentisch meiner Kindheit, der Ausblick durch die Glasfront aufs Straßenleben gefällt. Eine hübsche Spanierin erklärt mir die ganze Auswahl an Frühstücksmöglichkeiten. Was da nicht alles lockt: verschiedene Tortillas, Membrillo aus Quittenmus, Serranoschinken … Ich entscheide mich dann doch für einen englischen Pudding mit Creme anglaise zum Café con leche. Es scheint mir, es ist mein erster süßer englischer Pudding: ein köstlicher, saftiger Auflauf mit Trockenfrüchten. Während ich Gabel für Gabel dieser kulinarischen Sünde absteche und den Kaffee genieße, bedaure ich, dass sich das Frühstück nicht beliebig in die Länge ziehen lässt. Und dann bin ich auf einmal genervt und froh, das Café zu verlassen, als ich zum dritten Mal den Satz der Spanierin gegenüber Kunden höre: „Then you pay first, please.“

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Und weiter geht es

49.

Ein Schwarzer, das Smartphone am Ohr, eine Mütze kühn auf dem Kopf, schwarze Jogginghose und einen Bundeswehrparka mit der deutschen Nationalflagge. Ich hatte genau einen solchen Parka einmal in einem Kanadaurlaub getragen, ausgeliehen von einem Kroaten. Die Flagge am Ärmel war mir, typisch deutsch, peinlich gewesen.

50.

Ein gestählter Grauhaariger in schlichten Alltagsklamotten − dunkle Hose, blaues T-Shirt, Beutel am Gürtel − quert die Straße. Die muskulösen, tätowierten Unterarme sind nackt. Man ahnt das Spiel der Muskelstränge im Rhythmus, in dem sein Daumen über das Display tanzt.

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BT Tower

51.

Neonweste, Neonjacke, Neonrucksack, Neonhelm − allgegenwärtige Utensilien der Radfahrer in einem Land des Dämmerlichts.

52.

Eine ruhige Straße mit identisch aussehenden Häusern auf beiden Seiten: die kurzen Treppenaufgänge alle mit schwarzem Geländer, oben Holztüren, alles weiß und schwarz, keine Farbe, die das Muster durchbricht. Auf den ersten Blick wirkt das Sträßchen schmuck, auf den zweiten schäbig. Manchen Häusern mangelt es an Pflege und Instandhaltung, einige stehen leer und zum Verkauf, an allen anderen stehen und hängen Plastiktüten voller Müll. Ein paar der Tüten sind aufgeplatzt oder womöglich auch mutwillig ausgeschüttet. Abfall fließt dann über die Treppenaufgänge hinab. Nur ein einziges Haus hat kleine Mülltonnen am Gitter der Treppe hängen − eine beinahe spießig wirkende, jedenfalls hoffnungslose Insel in dem Straßenzug. Der Weg entpuppt sich als Sackgasse. Ich mache kehrt. Trostlosigkeit schleicht sich hinter mir auf die Straße, um das winzige Vakuum zu füllen, das ich hinterlassen habe.

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Marylebone, die Kirche im Rücken

53.

Ein kalter, feuchter Vormittag eine Woche vor Weihnachten. Ich zittere unter meiner Regenjacke. In einem Park machen zwei junge Frauen in billigen Kunstfaserklamotten Gymnastik. Sie versuchen sich an Gleichgewichtsübungen, sie hüpfen auf einem Bein herum. Eine Weile schaue ich zu, dann drehe ich plötzlich den Kopf, als wäre mir bewusst geworden, dass ich sie bei etwas Unanständigem beobachten würde.

54.

London ist fabelhaft mit Orientierungshilfen gepflastert. An jeder Bushaltestelle hängen Karten von ganz vorbildlicher Natur: der eigene Standort ist zentriert, zwei Kreise zeigen einen Umkreis von fünf bzw. 15 Gehminuten an. Nur eines ist verwirrend: Die Karten sind nicht genordet, ihre Ausrichtung wechselt von Haltestelle zu Haltestelle, von einer Karte zur nächsten. Manchmal möchte man sich auf den Kopf stellen, um seine Richtung wiederzufinden.

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Die Kuppeln der London Business School

55.

Hinter den Bäumen des Regent‘s Park schimmern fast rosa verzierte Kuppeln. Ein indischer Moghulnpalast? Es fehlen nur noch die Tiger im Unterholz des Parkes. Aber die gibt es am anderen Ende des Parks im Zoo of London. Hier, an den Wasserläufen der Südseite, kreischen, krächzen, jaulen, schnalzen, grunzen, gurren nur die Vögel. Unterbrochen von dem harten, konzentrierten Schlagen Aberdutzender Flügel, wenn eine ruckartige Bewegung am Ufer das Federvieh aufschreckt.

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Nur einer aus der Vögel Schar

56.

An einem kleinen, blattlosen Baum, er besteht fast nur aus einem Gewirr allerkleinster Ästchen, knarzig, hart, verdreht und abweisend, einem einsamen Guerillakämpfer in rauen Landen, leuchten rote Beeren. Die einzige satte, kräftige Farbe hier im Park. Die frohe Botschaft des krummbeinigen Rebellen.

57.

Und hinter der nächsten Wende Palmen in London. Eine Amsel pickt an den mickrigen Fruchtständen. Subtropisches Weihnachtsmahl.

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Queen Mary’s Garden im Rgent’s Park

58.

„Hello Sir, what do you have spotted?“ Der Mann mit der Kappe, der mit einem Begleiter mit Rasenstecher die Pflanzungen inspiziert, wechselt die Straße, um den still dastehenden Herrn mit Brille, Schnurrbart und Fernglas auf der Brust anzusprechen. „Oh, well …“, braucht der Angesprochene erst einige Momente, sich in der Menschenwelt zu orientieren. Dann entspinnt sich ein kleiner Schwatz über den Wiesenzaun hinweg, wie zwischen zwei Nachbarn.

59.

Immer wieder Frauen mit drei oder vier Hunden an der Leine. Der Radrennfahrer zieht derweil mit verzerrtem Gesicht seine Bahnen auf dem asphaltierten Inner Circle rund um Queen Mary‘s Garden − seine beinahe private Rennbahn, immerzu im Kreis herum. 85 Sekunden benötigt er für eine Umdrehung. Wie viele Runden er wohl macht?

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60.

Jenseits der weiten Grünfläche, die sich endlich auftut, ragen, irgendwo beim Zoo, große, massive, verwinkelte Bauten in verwaschenen Sandfarben empor. Die Monströsität der Bauten erinnern an eine Festung, ein bisschen an die Flaktürme in Wien. Ihr Zweck, so rätselhaft er auf die Ferne ist, dürfte allerdings viel friedlicher sein diese Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg, Kletterareale etwa für Bergziegen im Zoo. Beim Näherkommen geht es mir dann wie Jim Knopf mit dem Riesen: immer kleiner wirken die Berge, immer weniger monströs, je näher ich komme.

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61.

Mit wiegenden Schritten stolziert die Giraffe vorüber, graziles Gleichgewicht von vier Schritt Höhe.

62.

21 britische Pfund Sterling trennen mich vom „Tiger Territory“. Ich entscheide mich gegen einen spontanen Besuch im Zoo. Ein solcher Eintrittspreis löst selbst den Bann der Giraffenschritte.

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Alles Tiger Territory?

63.

Das helle Blau fesselt meinen Blick zuerst: ein dreistöckiges Gebäude, Ziergiebel über den geviertelten Fenstern, leichte Formen, passend dazu die Farbe. Und es ist nicht allein. Ein Haus an das andere reiht sich in schmucken, sauberen Pastellfarben. Jedes Gebäude hat seinen eigenen Farbton. Nirgendwo habe ich bisher London so leicht und heiter erlebt, ohne dabei in Übermut zu verfallen, wie hier, wo die Albert Terrace in die Regent‘s Park Road einmündet.

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64.

66,7 m über dem Meeresspiegel genügen. Auf dem Aussichtspunkt von Primrose Hill habe ich zum ersten Mal einen Blick über die Stadt, über die Bezirke, die ich bereits abgelaufen bin. In die steinerne Ummauerung des Aussichtspunktes ist ein Vers von William Blake eingemeißelt.

I have conversed with the spiritual sun.
I saw him in Primrose Hill.

Der Dichter also hatte etwas ganz anderes vor Augen als wir heute hier oben. Der Mann, der breitbeinig, die Arme konzentriert in zwei verschiedenen Winkeln vom Körper ausgestreckt, am Hang steht, ist vielleicht eher ein Erbe Blakes. Vielleicht sind es Chi-Übungen für den richtigen Fluss unsichtbarer Energien, bevor er seinen Fußmarsch fortsetzt, wieder hinein in die Stadt.

Dezember 2013. Fortsetzung folgt.

Snippets from London. Ein Dezemberspaziergang (Teil 2)

26.

Kaum trete ich aus dem Gebäude, höre ich wieder die gellenden Polizeisirenen. Sie sind untrennbarer, beinahe permanent präsenter Teil dieser Großstadtsinfonie. Überrascht bin ich, wie oft Zivilfahrzeuge Blaulicht und Sirene haben.

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Auf in die City

 

 

 

 

 

 

 

 

27.

Liverpool Street, die City of London liegt vor mir. Die Gehwege werden voller, das Tempo der Menschen nimmt zu. Ich muss achtgeben, mit niemandem zu kollidieren. Wenn ich mir Notizen in mein Büchlein schreibe, drücke ich mich in kleine Winkel, um nicht überrannt zu werden. Kulissen aus glitzernden, glatten Bürobauten, dazwischen neogotische Kirchen und Backsteingebäude. Ja, die Anzugträger häufen sich, die Schlagzahl der Passanten erhöht sich − der Rhythmus der City, vielleicht ist auch die Uhrzeit verantwortlich −, dazwischen Ausrufer, Seelenfänger, Sektierer in sauberen Kostümen und Anzügen, dort ein junger Mann am Boden, halb in einem abgewirtschafteten Schlafsack, er hält den Passanten ein Schild entgegen. Er richtet es für die Fußgänger immer wieder neu aus, sein Blick zuckt lebhaft hin und her, auf seinem Gesicht liegt ein Lächeln, sacht, aber unübersehbar, freundlich, vielleicht mit einer kleinen Prise Ironie. Wie kann der junge Mann in seiner Situation solch ein Gesicht zur Schau stellen? Ist es die Haltung eines Neulings auf der Straße, der die noch nicht eingeschliffene Bettelroutine durchbricht mit seiner Mischung aus Freundlichkeit und Ironie?

28.

Haltestelle Monument. Berge an kostenlosen Zeitungen stapeln sich am Eingang zur Underground, im Vorbeigehen greifen sich die Büromenschen ein Exemplar. Die himmelhohe Säule − The Monument to the Great Fire of London erinnert an den großen Brand von 1666, als der größte Teil der City niedergebrannt war − ist ein merkwürdiges Überbleibsel einer anderen Zeit: 17. Jahrhundert zwischen Bürogebäuden. An einer Absperrung neben der dorischen Säule wieder − groß, rot − der Warnruf des Großstadtdschungels: „Not EVERYONE is as nice as YOU“. Unser Gepäck, unsere Sicherheit ist in steter Gefahr.

29.

Bus Clapham Junction 344, unbestimmte Verheißung. Erst später füllt sich die Leerstelle im Kopf: verkehrsreichster Bahnhof Großbritanniens; ein fürchterliches Eisenbahnunglück in den späten Thatcher-Jahren; ein Schwulendrama auf Channel 4.

30.

Einen Steinwurf entfernt warten vor der Kirche des Märtyrers St. Magnus gutgekleidete Menschen im vorgerückten Alter auf die Messe. Das Gotteshaus, dessen Wurzeln ins 11. Jahrhundert zurückreichen, ist noch weit mehr Relikt als das Monument to the Great Fire of London, bis zur Atemnot eingezwängt, die Reste einer (obgleich zur Church of England gehörend) katholisch anmutenden Ehrwürdigkeit wie ein Gewand um sich gerafft in einer feindlichen, verständnislosen Umgebung.

31.

Von der London Bridge habe ich einen freien Blick auf The Shard, 310 Meter hoch. Der Wolkenkratzer wurde 2012 fertiggestellt und war damit bei meinem letzten Besuch noch nicht da. Die Reaktion ist unmittelbar: ein absurder Tempel, ein wahnwitziger Kultbau des Kapitalismus. Zu meiner Linken im Fluss treibt ein herrenloser Rettungsring langsam am Ufer entlang.

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An der Themse

 

 

 

 

 

 

 

32.

Auf der anderen Seite der Themse erneut Gotik. Hinter den Bleiglasfenstern der Southwark Cathedral scheinen Lichter, der Vorplatz aber liegt im Halbdunkel. Erst spät sehe ich die Reihe von Menschen, eine lange Schlange, die geduldig im Regen auf Einlass wartet, viele mit Regenschirmen, einige mit Wintermützen, andere barhäuptig. Nur langsam rückt die Schlange − 100 oder mehr Menschen − voran. Ich drücke mich an den Wartenden vorbei zur gegenüberliegenden Straße, als ein Schwarzer mit Rastamütze um Kleingeld bittet. „Only for coffee, Sir“ wiederholt er melodiös, lachend, rau, als ich verneine. Er hat Charme, ich krame nun doch nach Münzen. Viele habe ich noch nicht seit heute Mittag. Was ist das? 10 Pence glaube ich im Halbdunkel zu erkennen, zu wenig jedenfalls, ich würde mich schämen. Also taste ich mich weiter, ich finde eine Pfund-Münze, eigentlich mehr als ich geben wollte, aber noch weiter suchen wäre kleinlich, also überreiche ich die Münze. „Enjoy the coffee.“ Dunkles Lachen. Der Mann geht weiter, versucht seinen Charme an der Warteschlange. Wie viel diese Menschen wohl für ihren Eintritt zahlen?

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Die nächste Brücke

 

 

 

 

 

 

 

33.

Gleich ums Eck wartet die Golden Hind − das Kaperschiff von Francis Drake, das im Auftrag von Königin Elizabeth den schier unendlichen Silberfluss aus der Neuen Welt nach Spanien umlenken sollte, ein bisschen davon zumindest − auf ihre nächste Weltumsegelung. Im Dock ruht sie, in beinahe unpassend kräftig wirkenden roten und gelben Farben bemalt, auf ihrem Deck wird ein Sektempfang ausgerichtet. Daneben im Old Thameside Inn sitzen die Menschen im Freien unter Schirmen, unbeeindruckt von Regen und Dezemberluft. Der Blick auf die London Bridge und die glitzernden Bürobauten dahinter, zwischen denen ich auf dem Nordufer meinen Weg gefunden hatte, ist fantastisch. Diese kalten Phalli des 21. Jahrhunderts und die bunte Golden Hind, sie passen nicht zusammen, sie beißen sich − und doch gehören sie in einen Kontext. Beide sind sie Ausdruck einer gewalttätigen Wirtschaftspotenz, von Raubtierkapitalismus.

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Nochmals ein Blick auf die City

 

 

 

 

 

 

 

34.

An den teils mittelalterlichen Ruinen von Winchester Palace traben Jogger vorbei, viele in kurzen Klamotten, alle mit einem eng an den Rücken geschnallten Rucksack − Effizienz pur. Was wohl darin ist? Bürokleidung? Eine Jacke gegen die Kälte auf dem Heimweg?

35.

Aus einer Straßenunterführung locken irritierende musikalische Klänge. Es ist, meine ich, ein Saiteninstrument, heiser, scharrend, fremd. Ich weiß bereits, dass ich stehenbleiben werde, bevor ich Einblick in die erleuchtete Unterführung habe. Dort steht ein hochgewachsener Schwarzer mit ergrautem Bart, er streicht nicht die einzelne Saite des Instruments, sondern klopft sie mit einem leichten Stab an, begleitet von einem Rasseln, denn im Griff des Stäbchens ist ein wohl mit Kerne gefüllter Hohlraum. Die Tonfolge ist einfach, aber fesselnd, fast hypnotisch. Ich bleibe lange am entgegengesetzten Ende der Unterführung stehen. Niemand außer mir hält an und lauscht. Als ich meinen Weg schließlich wieder fortsetze, bin ich erneut ein Pfund los. Ich habe eine Schwäche für Straßenmusik, so wie ich eine eingefleischte Abneigung gegen professionelles Betteln habe. Gerne hätte ich den Mann gefragt, wie sein Instrument heißt, woher es kommt. Wir tauschen einen kurzen Blick, als ich die Münze in den Bastkorb zu seinen Füßen werfe − meine ist die größte, die gerade darin liegt −, der Mann dankt einzig mit seinem Blick, nicht einmal mit einem Zucken des Mundwinkels: zurückhaltend, stolz und schweigsam. Dieser Mann will nicht reden, das wird mir klar. Ich schlage die Augen nieder und gehe weiter und lausche, bis die Klänge zu einem Flüstern werden. Es fällt schwer loszulassen.

36.

Ich will nicht weitergehen. Mir ist, als verlöre ich etwas, als ich die Klänge des exotischen Musikinstruments zurücklasse. Ein Hubschrauber knattert hart und unbarmherzig über den Nachthimmel und ich bin plötzlich in einer ganz, ganz anderen Welt.

37.

Low tide. Es sind Spuren da unten im Sand des Themseufers, das Tor aber zum Treppenabstieg vom Uferweg ist abgesperrt, verschlossen, der Betrachter vom Geheimnis dort unten ausgeschlossen.

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Spuren im Sand

 

 

 

 

 

 

 

38.

Dann passiere ich die Tate Modern. Die Ausstellernamen an der Außenfassade des Kunstmuseums klingen deutsch: Paul Klee, Mira Schendel − unerwartet und beinahe falsch auf diesem Weg.

39.

Ein Weihnachtsmarkt, Buden halten Händchen oberhalb des Themseufers, „Mexican Streetkitchen“, „Glühwein“, „Pizzeria“ auf ihren Schildern. Soul erklingt an einem Stand, Punk an einem anderen, „It‘s a Christmas Time“ singt die Band zu scheppernden Gitarren. Ist der Song womöglich von dem gerade erschienenen Weihnachts-Album von Bad Religion? Ich weiß es nicht. Gegenüber, unter einer Unterführung aus Beton und Platten, alles harte Flächen und Kanten und Graffiti liegt ein Skateplatz. Immer und immer wieder knallt es, wenn ein Skater mit den Rollen seines Boards wieder Kontakt mit dem Boden aufnimmt. Es sind aggressive Töne in einer ganz und gar lebensfeindlichen Umwelt. Der Punksong wird von einem stupiden Folklied abgelöst. Die Skatetöne der vollkommen in ihrem Tun versenkten Jungs sind wie Schläge gegen die falsche Weihnachtsidylle der Buden. Ein monströses Potpourri.

40.

Ein Paar, wieder auf der anderen Seite der Themse, er im Anzug, sie im kurzen Rock, aber gleich zweifach anders als alle übrigen Menschen auf den Dezemberstraßen: Es ist ein beblumter Sommerrock und ihre Beine tragen keine Strümpfe. Mit diesen in der Jahreszeit verirrten Blumen und den schutzlosen, blassen Beinen gewinnt die Frau − keine Schönheit, allenfalls auf eine ländliche, etwas derbe Weise hübsch − eine ungeheure Zartheit. Wie ein kurzer Schmetterlingsschlag an einem Herbsttag.

41.

Der Bus nach Wood Green 29 biegt ab. Ein entgegenkommender Kollege lässt ihm die Vorfahrt. Für einen Augenblick taucht die zum Dank erhobene Hand des Fahrers im Scheinwerferlicht auf, dann versinkt der Mann wieder vollständig im Dunkel seiner Fahrerkabine, nichts mehr von ihm ist zu sehen, so als würde der Doppeldeckerbus von Geisterhand gefahren.

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Around Covent Garden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

42.

Am weitläufigen Canada House am Trafalgar Square hängt die belaubte Nationalflagge in stattlicher Zahl, ein Ehrenspalier für das riesenhafte Porträt von Alice Munro, der letzten Literaturnobelpreisträgerin. Eine Demonstration imperialer Größe. Muss das ehemalige Dominion hier etwas beweisen? Oder ist es ein Vorausblick darauf, dass die High Commission of Canada in London aus dem erst vor drei Wochen verkauften MacDonald House womöglich bald wieder hierher an den zentralsten Platz der Stadt ziehen wird?

43.

Auch an einem Montagabend tauchen am Trafalgar Square die ersten Horden feierlustiger junger Menschen auf. Ein paar Schritte weiter ist dann schon Soho. Zwischen den Restaurants und den Cappuccinetti, den Pubs und Table Dance Bars, Thai Massagen und Musicalbühnen finde ich die Kinos nicht wieder, wo ich vor ein paar Jahren „Shutter Island“ gesehen hatte. Ich bin zu müde vom stundenlangen Fußmarsch durch die Stadt, um mich durchzufragen, und streiche den Kinogang aus dem heutigen Programm. Ich würde so oder so am nächsten Abend wiederkommen, um im Tiger Spice, einem der besten indischen Restaurants, die ich kenne, zu essen. Erst später am Abend stelle ich bei einem Blick ins Internet fest, dass Tiger Spice geschlossen hat. Ich hatte mich Jahre gefreut, umsonst.

44.

Stattdessen schlage ich den Heimweg ein: vorbei am Tottenham Court (einer Baustelle noch über Jahre hinaus, um die völlig überlastete U-Bahn-Station zu vergrößern), durch Bloomsbury, bereits deutlich ruhiger (ein aufgeräumtes Antiquariat, die Swedenborg Society), Holborn … Da erkenne ich auf der anderen Seite einen Aushang wieder: Alps Restaurant in der Theobald‘s Street. Hier war ich, in gleicher Richtung, heute schon einmal gegangen. Also hatte ich meine Abzweigung nach Norden verpasst und war bereits wieder auf der Route nach East London. Ich mache kehrt und bin unsicher, wo ich abbiegen muss. Doch ich habe Glück. Die Intuition führt mich exakt den Weg zurück, den ich heute Nachmittag gekommen war.

45.

Ich korrigiere mich. Manchmal schmerzen die Augen doch. Fremdschämen im Hostel für kurzberockte Mädchen, die meine Töchter sein könnten.

46.

„110 Pfund hat gestern Abend jeder von uns liegengelassen“, prahlen die beiden feierlustigen Burschen aus Münster, bevor sie nochmals in die Nacht aufbrechen, während die zwei jungen Oberbayern einzig als Zuschauer zu einem internationalen Dartwettkampf angereist waren. „Dabei haben wir extra auf die U-Bahn verzichtet, weil die in London so teuer ist.“ Jeder erobert sich London auf seine Weise. Die Weltstadt hat für alle Platz.

Dezember 2013. Fortsetzung folgt.

Snippets from London. Ein Dezemberspaziergang (Teil 1)

1.

Als ich an dem Dezembermorgen um 4.28 Uhr aus dem Haus trete, sehe ich durch die schmale Hofeinfahrt hindurch Sterne am Himmel. Draußen auf der Straße sind sie bereits verschwunden, das Firmament im Rücken der Laternen wirkt schwarz und leer. In der Luft liegt ein Versprechen. London calling.

2.

Kurz vor Köln kommt die Morgendämmerung, wenig später wechselt der Zugbegleiter bei seinen Ansagen auf vier Sprachen über. Die Sonnenstrahlen fallen über das flache Land, kaum Wolken, keine Spur von Frost. Der Winter scheint noch fern, nur eine Hypothese, keine Drohung. Vorfreude auf Tee jenseits des Tunnels und auf die in Ghee angebratenen grünen Chilis auf den Gerichten indischer Restaurants.

3.

Nach der erneuten Passkontrolle (der Eurostar, der den Kontinent und London miteinander verbindet, ist vermutlich der bestgeschützte Personenzug Europas) empfängt mich die Durchsage: die Mahnung − einer ganz tadellosen Stimme, laut und hallend −, das eigene Gepäck immer bei sich zu behalten und herrenlose Gepäckstücke sofort zu melden. Durch die Brechung einer anderen Sprache wird mir der auch von deutschen Bahnhöfen allzu vertraute Aufruf erst eigentlich bewusst. Ich lausche den Durchsagen, während ich mich zwischen einer Heerschar an CCTV-Überwachungskameras (über 400 Kameras sind im Bahnhof St. Pancras/King’s Cross installiert, ein erneuter Superlativ der Kontrolle) durch die Halle schiebe. Da komme ich also in einem der ältesten demokratischen, liberalen Staaten der Welt an und das Erste, was ich erlebe, ist ein Akt der Überwachung und ein Aufruf zur Selbstüberwachung. Wie frei sind wir wirklich in unserer Angst vor dem Terror, dieser Achillesferse unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaften? Al-Qaida hat ganze Arbeit geleistet.

4.

Vom Bahnhof erreiche ich meine Unterkunft zu Fuß. Das Hostel wirkt hervorragend organisiert und so neu, dass Teile noch Baustelle sind. Die Rahmenbedingungen sind trotzdem bescheiden, aber das war klar. Für zehn Pfund die Nacht − ein Schnäppchen − ist nicht mehr zu erwarten. Es macht nichts, ich habe nicht vor, hier mehr zu tun als zu schlafen, zu duschen, das Smartphone aufzuladen.

5.

Gleich ums Eck ziehen sich Straßen mit niedrigen Ziegelbauhäusern hin, fast jedes beherbergt im Erdgeschoss ein Lokal oder Ladengeschäft: ein Café, ein Restaurant, ein Antiquariat, eine Schwulenbuchhandlung. Ich betrete das erste indische Restaurant, das ich sehe.

6.

Chilischweiß auf der Stirn und eine orgasmische Komposition von Gewürzen und Zutaten. Kulinarische Glückseligkeit. Kein indisches Restaurant in Deutschland kocht auf solche Weise.

7.

Zum Nachtisch ein Espresso Macchiato in einer Pastabar nur ein paar Häuser weiter. Nichts treibt mich, ich bin frei. Es ist sehr beengt, die Tische sind lachhaft klein, eine studentische Intimität mit hipper mediterraner Küche. Ich gebe mich dem Klang der Gespräche um mich herum hin und lächle. Britisch-Englisch ist die einzige Fremdsprache, bei der ich so viel verstehe, dass sich nicht sofort das Gefühl von Fremde, Entfremdung einstellt. Ich genieße es.

8.

Endlich Eintauchen in die Stadt. Ich schwenke nach Osten.

9.

„Ethio Modern European Restaurant & Bar“. Ja, das ist die moderne englische Küche, nicht mehr verkochter Kohl an geschmacklosen Kartoffeln und ein paar Erbschen! Dann sehe ich, dass das Restaurant geschlossen ist, aufgegeben.

10.

An der Tür der Clerkenwall Screws Ltd. − Nuts & Bolts hängt ein Schild: „Do not bring bikes into the shop.“ Der Kundenbereich vor der Ladentheke ist ein schmaler Schlauch von rund zwei Quadratmetern. Schiebt ein Kunde sein Rad hinein, passt er selbst kaum mehr dazu, geschweige denn andere Besucher. Die merkwürdige Regel auf der Ladentür gewinnt nach einem Blick ins Ladeninnere also ganz neues Gewicht.

11.

„First Act, Than Reflect“ − Kapitelüberschrift in einem Buch aus dem Magma Book Shop, einem Ratgeber für ein erfüllteres Berufsleben.

12.

Ein Fahrradfahrer im dezemberlichen Straßenverkehr Londons: kurze Hose, Neonleuchtweste, Atemgerät aus durchsichtigem Plastik. Fahrender Ritter des 21. Jahrhunderts.

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Who am I?

 

 

 

 

 

 

 

 

13.

Es dämmert bereits, als sich die uniformierten Schüler, den Kragen gelockert und miteinander schäkernd, auf den Heimweg machen. Nur der brave indische oder pakistanische Junge mit der großen Brille und dem scharf gezogenen Scheitel geht allein, die Augen auf den Boden gerichtet. Alles an ihm ist tadellos, einzig das freche Glück fehlt in seinem Gesicht.

14.

Innerhalb einer halben Stunde zweimal von Einheimischen nach dem Weg gefragt zu werden, hat − vielleicht irrigerweise − etwas Schmeichelhaft: das Selbstverständnis eines Fisches im Wasser. Helfen konnte ich nicht.

15.

„Chariot Roman Spa − Englands Biggest & Best Mens Health Spa“. Bemerkenswerter Name. Was wohl alles angeboten wird? Lustknaben in Toga inklusive? Haarige Wagenlenker mit Aufschlag?

16.

Ich weiß nicht, wie hoch angesichts der vorherrschenden Wintermode die Rate an Blasenentzündungen bei den Londoner Frauen ist. Es sind jedenfalls nicht meine Augen, die Schmerzen davontragen.

17.

In einer vergitterten Hofeinfahrt zwischen zwei Fish & Chips sitzt, fast schon im Dunkeln, eine Frau auf einem Stuhl, den Kopf leicht nach vorne gebeugt. Vielleicht isst sie etwas, mir ist, als bewegte sich ihr Kiefer. Dann leuchtet kurz das kalte, blaue Licht eines Displays auf. Warum aber sitzt sie hier, in der dunklen, zugigen Einfahrt unter dem Küchenabzug? Hat sie nur hier, zwischen Mülltonnen, einen kostbaren Augenblick der Ruhe? Oder doch nur freies WLAN aus einem Nebenzimmer?

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Eine Botschaft in der Dämmerung von East London

 

 

 

 

 

 

 

18.

Partyhüte hinter Fensterfronten. Belegschaften bei der Weihnachtsfeier, papierene Kronen aus den Christmas Crackern auf dem Kopf, buntes Krepppapier über weißen Hemdkragen.

19.

Im East End Straßenschilder in Bengali unter den lateinischen Lettern. Was hier um die Brick Lane heute Banglatown ist, war einst Tatort von Jack the Ripper.

20.

Die City leuchtet, von Finsternis überdacht. Schwere Wolken legen sich wie eine Decke über die frühabendliche Stadt, dann bricht der Regen los. Niemand beginnt, den Kopf zwischen die Schultern gezogen, zu rennen. Selbst Passanten ohne Schirm und Kopfbedeckung nehmen den Regenschauer hin wie Windhauch oder Sonnenschein. Und tatsächlich, er erfrischt.

Bricks and glass

Bricks and glass

 

 

 

 

 

 

 

 

21.

Auf dem Reiseblog einer Freundin hatte ich das Foto gesehen und war ihr verfallen − der Salted Caramel Tart. Ich hatte mir den Namen des Restaurants im Londoner Osten geben lassen und suche nun nach dem Kuchen. Ich habe nur den Namen des Lokals, keine exakte Adresse und der Akku des Smartphones ist bereits leer. Ich frage mich durch und als ich schon nicht mehr damit rechne und eben aufgeben will, stehe ich plötzlich direkt vor dem Eingang.

22.

Und als ich den ersten Bissen im Mund habe, geschieht etwas: Es wird Frühling auf meiner Zunge, Goldadern fließen durch den Gaumen, bis hinein in den Unterleib kribbelt es. Entzücken durch alle Schichten: den dunklen Kuchenboden, das Salted Caramel, die feste Schokoladenschicht bis hin zu den ganz sacht gesalzenen, angerösteten Mandelblättern obenauf.

23.

Nach ein paar Bissen der tiefe Fall: Die Tart wird doch zu aufdringlich, in ihrer Süße wie in ihrer Salzigkeit. Von manchen Früchten sollte man eben doch nur einmal beißen.

24.

Ein Doppeldeckerbus taucht vor dem Fenster des Lokals auf. Nur die obere Busetage ist zu sehen. Sie ist fast leer, einzig zwei Schwarze sitzen darin. Er eine Mütze auf dem Kopf, sie ein paar Sitze weiter, ihren schweren Leib nach vorne gebeugt. Beide wirken müde. Sein Gesicht wendet sich zur Seite, fast begegnen sich unsere Blicke, dann ist er weg, der Mann, der Bus. Unmittelbar folgt ein zweiter Doppeldeckerbus und doch eine andere Welt. So viele Menschen sitzen oben, dass ich ihre Zahl kaum überschlagen kann, bevor das Fahrzeug vorüber ist und es wieder die große Aufschrift „Boxpark“ an der gegenüberliegenden Hauswand freigibt.

25.

Ich habe bezahlt und lasse den Blick noch schweifen: nach draußen in den Regen, durch die weitläufigen Räume des Lokals. Es ist laut und rege. Überall sitzen die Menschen zu Paaren, in Gruppen. Plötzlich hat mich die Einsamkeit schwer im Griff. Als eine schwermütige Ballade von Bruce Springsteen angespielt wird, greife ich nach der Jacke und haste hinaus auf die abendlichen Straßen, Kilometer um Kilometer glänzenden Asphalts vor mir. Manche Indianer glaubten, bei einer zu schnellen Reise käme ihre Seele nicht hinterher. Ich schreite aus, um daraus etwas abzuwerfen.

Dezember 2013. Fortsetzung folgt.