Schau mir in die Augen

Elefant_Stofftier_Wunderschöne Dinge

Kann man diesen Augen widerstehen? Kaum. Wer den kleinen Elefanten erwerben möchte, kann das zum Beispiel im Geschäft „Wunderschöne Dinge“ an der Ecke Römerstraße/Liststraße im Lehenviertel (Stuttgart-Süd) tun. Und mich eine Ecke weiter auf einen Kaffee rausklingeln.

(Das war #swch 5/5. Keine Nominierung.)

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Pfandpflicht

IMAG0729Supermarktgefühl auf dem Friedhof: Der Ordnungswille hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mir zumindest waren in diesem Jahr das erste Mal Pfandschlösser an Gießkannen aufgefallen. Wie hier auf dem Fangelsbachfriedhof im Stuttgarter Lehen, wo unter anderem ehrwürdige Herrschaften wie Immanuel Fichte (Philosoph und Herausgeber der Schriften seines Vaters Johann Gottlieb Fichte) oder August Friedrich von Pauly (alle Altertumswissenschaftler kennen ihren „Kleinen Pauly“) liegen. Also, nicht vergessen, auch zum Friedhofsbesuch künftig Kleingeld mitzubringen!

Ein Stern im Süden – Zacke: „Das Bier aus Stuttgarts schönstem Flecken“

„Alter, allerletztes“, knallt der Mann den Plastikbecher mit dem schwarzen Aufkleber („Zacke“ mit Sternchen) auf den Tresen. Es ist langer Samstag im Lehen, die Sterne des Südens – so nennen sich die Geschäfte, Unternehmen, Institutionen und Selbstständige hier vor Ort – präsentieren sich wieder in einem von Stuttgarts reizvollsten Stadtvierteln.

In einem der Hinterhöfe der Gründerzeitzeilen wird zwischen einem kleinen Flohmarkt das Zacke ausgeschenkt – ein außergewöhnliches Bier mit Lokalcharakter, der Braugang zu bescheidenen 120 Litern („ein Witz“, meint einer der Verantwortlichen, eine Rarität jedenfalls schon beim Abfüllen), heute erst zum dritten Mal von den Machern aus dem Viertel ausgeschenkt, zum ersten Mal überhaupt aus dem Fass. Ein Bier, zum Spaß geschaffen und jetzt schon mit so etwas wie Kultstatus in Stuttgart. Nachdem die Presse wenige Tage vorher über das Zacke-Bier berichtet hatte, kommen heute manche Leute aus den Nachbarvierteln, ja aus Vaihingen nur des Bieres wegen zum langen Lehensamstag.

IMG_0742Das „Zacke“ lockt!

Wie kommt man darauf, sein eigenes Bier zu machen? „Wir sind sechs Jungs und trinken gerne Bier, alle bis auf Oli, finden das Stuttgarter Bier aber scheiße.“ („Das Zacke trinke ich aber auch“, wirft Oliver dazwischen.) Und dann wurde das „Zacke“ 2012 als Weihnachtsaktion ins Leben gerufen. Jeder der Sechs aus dem Lehen (die im Alltag alle einem ganz anderen Beruf nachgehen) brachte seine Kompetenzen ein, sie kauften selbst das Malz und alle anderen Zutaten, besorgten sich unter Mühen die auffälligen, langhalsigen Flaschen („Handgranaten“), entwarfen das Etikett – mit seiner ganz eigenen Botschaft über das Bier, das Lehen und das Leben – und beklebten die Flaschen gemeinsam in Olivers Werkstatt.

Gebraut wird das Zacke in der Cast-Brauerei im Heusteigviertel, einer jungen, kleinen Biermanufaktur mit dem Mut zum Neuen und Besonderen. Das Zacke-Bier lagert doppelt so lange wie Industriebier, verträgt schlecht Temperaturschwankungen und ist deutlich weniger lang haltbar – eben ein echtes Naturprodukt ohne untergeschmuggelte Stabilisatoren.

„Wie haben Sie sich auf den Geschmack geeinigt?“, fragt eine Besucherin. Das war bei sechs Leuten anfangs tatsächlich nicht einfach, erläutert Marcus hinter dem Tresen. Als Vorbild wurde schließlich eine kleine Albbrauerei gefunden – „aber unseres wurde besser“. Das Zacke wird in zwei Sorten gebraut: das Lehenviertel Rotgold, malzig, auf eine frische Weise vollmundig, untergärig, und das Lehenviertel Pale Ale, hopfig, obergärig, fruchtig.

Viele Menschen lockt das Zacke in den Hinterhof, viele Gespräche stiftet es und nebenbei hat man die Gelegenheit, beim „Kultmacher – Antikes und Eigenwilliges“ hinter die Kulissen zu schauen: nicht nur in die Ausstellungsräume mit restaurierten edlen oder ausgefallenen Möbeln, sondern auch in die weiträumige Werkstatt dahinter.

IMG_0739Beim „Kultmacher“

Und schmeckt das Rotgold? „Man gewöhnt sich daran“, lacht eine Frau.
„Ein schönes Sommerbier“, sagt ein Gast.
„Bier von hier“, wirbt Marcus.
Ein distinguierter Herr kommt zwischen zwei Einladungen, um das Bier zu kosten – „nur einen Schnitt, ich habe nur eine kleine Pause“.
„Die beste Pause, die Sie je hatten!“, ruft Marcus und schenkt ein. Der Herr kostet mit Kennermiene und nickt zufrieden, bevor er zu seiner nächsten Verabredung zieht.
Ein Vater mit kleinen Kindern kramt die letzten Münzen aus der Tasche, um zwei Flaschen mitzunehmen, und ein englischsprachiger Besucher erkundigt sich hoffnungsvoll, wo das Bier zu beziehen ist – eine Frage, die immer wieder zu hören ist.

Ausgeschenkt wird das Zacke im Lehenviertel in der Gaststätte „Lehen“, im „Café List“, der Trattoria „Franca & Franco“, über das Viertel hinaus auch im „Aussichtsreich“ und im „Lichtblick“ – ein Testversuch mit eindeutigem Ergebnis: Das Bier wird begeistert angenommen und die Flaschen aus einem Braugang sind rasch ausverkauft. Zwei, drei Kästen werden noch im Zeitungsgeschäft „Schlagzeile“ beiseite gestellt, wer also schnell genug ist und sich den Kasten leisten will (günstig ist ein solches Bier natürlich nicht, die Zacke-Macher verdienen daran trotzdem praktisch nichts), kann hier also fündig werden. In der „Schlagzeile“ werden übrigens auch einzelne Zacke-Pfandflaschen zurückgenommen. Und die Zacke-T-Shirts finden inzwischen auch schon guten Absatz.

IMG_0740Drei der Zacke-Macher

Das Fass geht zur Neige, Marcus ruft zwischen Ausschank, Zigarette und vielen Fragen von Besuchern seine Zacke-Mitstreiter an. Endlich, Michael und Winfried bringen ein neues Fass, das Rotgold fließt wieder, der Ausschank kann weitergehen.

Abends gibt es dann ein Zacke-Bier-Release im Nebenzimmer des „Lehen“ – ein einzelnes, einmaliges Fässchen. Das auf Plakaten angekündigte Geheimbier entpuppt sich als ein Weizendoppelbock, sehr hochgehopft und stark mit 6,8 %. Bitter trifft es die Zunge und wird mit jedem Schluck fruchtiger. Und ist sehr gehaltvoll, wirklich ein Bier wie eine Mahlzeit.

„Es macht Spaß und ist eine schöne Viertelaktion“, resümieren die Zacke-Macher. Hoffentlich macht es noch lange weiter Spaß. Dass derzeit eine Website fürs Zacke aufgebaut wird, lässt jedenfalls auf einige weitere Braugänge hoffen. Und eine schöne Viertelaktion ist es tatsächlich. Gästen werde ich jedenfalls in Zukunft Bier im heimischen Lehen anbieten. Nur eines gibt es zu beanstanden: Dass ich auf meine Bekanntschaft mit dem Zacke-Pale Ale noch warten muss.

Das Zacke-Bier im Internet (Teaser, Seite im Aufbau)

Die Cast-Brauerei im Internet

il pomodoro im Lehen – der sympathische Italiener für den kleinen Geldbeutel

Sein größtes Kapital ist seine Einrichtung. Das Restaurant il pomodoro an der Filderstraße schräg gegenüber der markanten Markuskirche besticht durch ein sehr ansprechendes, bodenständiges Interieur. Ohne die Geschichte des Gebäudes näher zu kennen, lässt sich vermuten, dass die Räumlichkeiten einst eine bessere schwäbisch-gutbürgerliche Gaststätte beherbergten: viel Holz, halbhohe Wandtäfelungen, echtes Parkett, dazu hübsche Kronleuchter im 50er-Jahre-Stil und Bleiglasfenster. Die Bar im Eingangsbereich gewinnt sofort und den Pizzabäckern kann man bei der Arbeit am Holzofen über die Schulter schauen.

In den beiden Gasträumen geht es lebendig her, in dem stets gut gefüllten Ristorante herrscht eine gut gelaunte Atmosphäre. Die Bedienung bleibt auch in der – sich schnell mal einstellenden – Hektik immer herzlich, nicht die geringste Spur also von der Arroganz, die von den Kellnern gewisser italienischer Restaurants so perfektioniert wird. Man fühlt sich gleich wohl hier – ein Eindruck, der auch bei wiederholten Besuchen nicht verloren geht.

Neben der Karte (praktisch übersichtlich: vegetarische Pizzen bilden eine eigene Rubrik) bietet das il pomodoro eine Wochenkarte und wechselnde Tagesangebote mit Fisch und Meeresfrüchten. Das Essen wird trotz der vielen Besucher recht flott serviert, was angenehm, aber nicht zwingend nur ein gutes Zeichen ist. So zeigen sich die Grenzen des il pomodoro recht bald, nachdem man zu Messer und Gabel gegriffen hat: Das Antipastigemüse ist keiner besonderen Rede wert, der Weißebohnensalat am besten als schlicht zu bezeichnen, die Pizza immerhin kross und groß.

Als klassischer Prüfstein der italienischen Küche zeigen sich die Penne all’arrabbiata. Sofort erschnuppert die Nase köstlichen Knoblauchgeruch, die Schärfe treibt angenehm den Schweiß auf die Stirn, die Tomatensoße ist etwas dünn – und alles in allem zwar solide, aber letztlich doch etwas nichtssagend wie die halbgetrocknete Petersilie aus Streudosen (offensichtlich die Lieblingsgarnitur im il pomodoro).

Wahrscheinlich am deutlichsten sind die kulinarischen Defizite an den Desserts zu spüren – denn mit dem Wiedererkennungswert der süßen Gerichte hapert es. Sei es beim Tiramisu, das nach allem schmeckt, nur nicht satt nach Mascarpone, und mit zuckerhaltigem Kakaogetränkepulver bestreut ist (eine Sünde), oder sei es bei der geschmacksbefreiten und körnigen Panna cotta, die erstickt unter einer penetranten Schicht klebrigsüßer Johannisbeermarmelade mit einer Krone billiger Schlagsahne aus der Sprühdose.

(Um die letzten beiden Absätze ins Positive zu wenden: Die Gerichte sind entsprechend günstig. Ein vegetarisches Drei-Gänge-Menü mit einem Viertel Wein kostet unter 20 Euro.)

Prinz vergibt ganze fünf Punkte auf der Bewertungsskala. Das ist gut gemeint, viel zu gut. Seien wir ehrlich: Wenn das Essen im Mittelpunkt stehen soll (und darf!), sind in Stuttgart definitiv andere italienische Restaurants vorzuziehen. Für den ganz spontanen Besuch in herzlich-familiärer Atmosphäre oder auch für den schmalen Geldbeutel ist das il pomodoro aber immer wieder eine sympathische Wahl.

il pomodoro: Filderstraße 25 – 70180 Stuttgart-Süd