Elegie

Am Montag könne ich sein Vorwort erwarten, bekräftigt der Professor am Telefon. Er macht seinen üblichen, tagespolitisch begründeten Witz über Stuttgart (manchmal muss auch sein Stadtstaat herhalten) und fällt dann in ein Klagelied der Verunsicherung. Er habe ja doch schon einiges gesehen, er habe den Kalten Krieg erlebt, aber eine solche bedrückende, verwirrende, zersetzende Zeit wie heute, das kenne er nicht.

„Es ist diffus. Alles ist diffus“, endet er und für einen Moment ist nur noch schweigende Schwermut in der Leitung zwischen uns. Aber nun, rafft sich der Professor auf, nun werde er sich auf eine Reise machen zu dem Schloss, auf dem Rilke seine „Duineser Elegien“ geschrieben habe. „Das ist doch ein kleiner Trost“, sagt er. „Und Sie, Sie bekommen mein Vorwort auf den Tisch, während Sie die Wahlergebnisse studieren.“

Draußen hängt Nebel.

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