Pausenfüller mit Gauck und Katze

Von wegen 6 km. Ich komme mit der letzten Bahn aus der Stadt von der Rede des Bundespräsidenten und guten Gesprächen auf dem Empfang und schlage die zweite Weghälfte zu Fuß ein, weil dorthin um diese Zeit kein Zug mehr fährt. Nach 2 km trunkenen Marsches rufe ich mit dem allerletzten Restchen Akkuladung ein Taxi − und dann sind es, wie sich herausstellt, immer noch 8 km. Kluge Entscheidung. Wann, grübele ich trotzdem, hatte mein Arbeitgeber eigentlich das letzte Mal von mir eine Taxirechnung erhalten? Ich erinnere mich nicht daran. Endlich bin ich im Dorf, jetzt heißt es nur noch im Finstern die Stufen zur Burg empor. Unter den Bäumen sehe ich nichts, ohne Handlauf wäre es eine furchtbar blutige Sache geworden, aber auch so dauert es eine halbe Ewigkeit. Als ich oben die romanische Kirche passiere, schlägt es unter weitem Sternenhimmel halb 1 Uhr und an den Stufen zur Hoteltür empfängt mich eine nachtwachende Katze. Sie reckt sich, sie streckt sich unter meiner Hand und schnurrt begierig. Es ist irgendwie wie nach Hause kommen. Das Leben ist wunderbar. Heute zumindest − über morgen Früh können wir dann noch reden.

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Blick in den kostenlosen Bücherfundus – geöffnet nur sonntags nach dem Gottesdienst

 

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