Einfach echt − La Bruschetta im Bohnenviertel

Auf den ersten Blick ist es nur ein winziger Imbiss: ein schmaler Tisch, ein Kühlschrank mit Getränken und direkt hinter der Theke die Küche − man könnte fast hinüberlangen. Und dort steht die Signora, nimmt Bestellungen auf, rührt nebenher in den Kochtöpfen, gießt Wein ein, kassiert, holt eine Pizza aus dem Ofen, füllt Pasta auf einen Teller − und verschwindet mit den dampfenden Gerichten einfach auf der Straße. Nanu?

Wer das erste Mal das winzige italienische Lokal im Stuttgarter Bohnenviertel besucht, registriert da vielleicht erst, dass das Bruschetta doch mehr ist als ein kleiner Bartisch mit offener Küche. Eine Haustür weiter gibt es La Bruschetta, Teil 2: ein kleiner, adretter Raum mit zwei Tischen. Und wer mag, kann in der Webergasse nochmals eine Tür weiter gehen und in den Schauraum der Designschreinerei Zwinz eintreten. Dort darf man wirklich hinein? In diesen hellen, minimalistischen Galerieraum mit dem Flair eines eben modernisierten Altbaus, um Pasta zu essen an den Holztischen mit den aufgeschlagenen Ausstellungskatalogen, mit den Büchern über Design und Wohnen hinter dem Rücken? Ja, das darf man. Hier haben zwei aufs Erste gar nicht zusammengehörige Bausteine unserer Gesellschaft (über die Schreinerei Zwinz − Konzeption für Raum + Möbel − war schon einmal hier die Rede) eine wunderbare Zusammenarbeit gefunden. Das ist kreative Vernetzung, wie wir sie auf mikrogesellschaftlicher Ebene viel mehr benötigten!

Die Signora kehrt zurück, sie wirkt ein wenig hektisch, womöglich überfordert. Kein Wunder angesichts ihrer One-woman-Show (erst später am Abend tauchen weitere Personen auf, die sich irgendwie in den Restaurantbetrieb einbringen). Getränke, außer Wein und Sekt, hole man sich bitte selbst aus dem Kühlschrank. Dass ein paar junge Leute einen Tisch in der Galerie verrücken, geht mal gar nicht, und nein, stehen Sie zum Rauchen doch nicht vor der Tür, da muss ich doch hindurch. Ja, sie ist hektisch, aber unangenehm wird sie dabei nicht. Wir grinsen.

Dann kommt endlich das Essen, in ganz unterschiedlichen Tellern, wie man sie als Alltagsgeschirr in einem Privathaushalt benutzen würde, die Ränder angeschlagen. Und dann senkt sich die Gabel und hebt sich wieder und die Augenlider schließen sich erst einmal und der Gaumen wird ganz zur Welt. Würzig, kraftvoll und vor allem ganz unverfälscht erfreuen die Gnocchi all’arrabbiata. Im farblichen Kontrapunkt dazu sehen die mit Kürbis gefüllten Canneloni in Käsesoße auf den ersten Blick aus, als wären sie unter eine tödliche Lawine aus Käse und Sahne geraten. Aber keine Sorge, hier hat nicht eine schlechte Küche den Nichtgeschmack faden Essens unter einem Berg Fett getarnt. Diese Canneloni schmelzen nur so auf der Zunge, Frühlingsgewässer Hilfsausdruck.

Irgendjemand macht aus Versehen eines der Lichter aus und die angerückte Chefin erklärt atemlos, dass man es − aus ihr technisch ganz und gar unverständlichen Gründen − ein paar Minuten auslassen müsse, bevor es sich wieder anschalten lässt. Die raue Oberfläche des Holztisches färbt auf der Handfläche ab (wie bekommt man hier eigentlich Tomatensoße weg?), direkt neben dem Tisch klappert jemand mit einem großen Schlüssel, den man an der Theke holen muss, um in die (einzige) Toilette des Bruschetta zu gelangen, die Chefin hektikt weiter und alles ist einfach nur wunderbar echt.

Ja: einfach echt. Ich freue mich auf den nächsten Besuch. So oft, bis die ganze Karte durch ist. Oder öfters.

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La Bruschetta: Weberstr. 108 − 70182 Stuttgart

(Haltestelle Charlottenplatz)

Öffnungszeiten: Mo.−Sa. 12−22 Uhr

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il pomodoro im Lehen – der sympathische Italiener für den kleinen Geldbeutel

Sein größtes Kapital ist seine Einrichtung. Das Restaurant il pomodoro an der Filderstraße schräg gegenüber der markanten Markuskirche besticht durch ein sehr ansprechendes, bodenständiges Interieur. Ohne die Geschichte des Gebäudes näher zu kennen, lässt sich vermuten, dass die Räumlichkeiten einst eine bessere schwäbisch-gutbürgerliche Gaststätte beherbergten: viel Holz, halbhohe Wandtäfelungen, echtes Parkett, dazu hübsche Kronleuchter im 50er-Jahre-Stil und Bleiglasfenster. Die Bar im Eingangsbereich gewinnt sofort und den Pizzabäckern kann man bei der Arbeit am Holzofen über die Schulter schauen.

In den beiden Gasträumen geht es lebendig her, in dem stets gut gefüllten Ristorante herrscht eine gut gelaunte Atmosphäre. Die Bedienung bleibt auch in der – sich schnell mal einstellenden – Hektik immer herzlich, nicht die geringste Spur also von der Arroganz, die von den Kellnern gewisser italienischer Restaurants so perfektioniert wird. Man fühlt sich gleich wohl hier – ein Eindruck, der auch bei wiederholten Besuchen nicht verloren geht.

Neben der Karte (praktisch übersichtlich: vegetarische Pizzen bilden eine eigene Rubrik) bietet das il pomodoro eine Wochenkarte und wechselnde Tagesangebote mit Fisch und Meeresfrüchten. Das Essen wird trotz der vielen Besucher recht flott serviert, was angenehm, aber nicht zwingend nur ein gutes Zeichen ist. So zeigen sich die Grenzen des il pomodoro recht bald, nachdem man zu Messer und Gabel gegriffen hat: Das Antipastigemüse ist keiner besonderen Rede wert, der Weißebohnensalat am besten als schlicht zu bezeichnen, die Pizza immerhin kross und groß.

Als klassischer Prüfstein der italienischen Küche zeigen sich die Penne all’arrabbiata. Sofort erschnuppert die Nase köstlichen Knoblauchgeruch, die Schärfe treibt angenehm den Schweiß auf die Stirn, die Tomatensoße ist etwas dünn – und alles in allem zwar solide, aber letztlich doch etwas nichtssagend wie die halbgetrocknete Petersilie aus Streudosen (offensichtlich die Lieblingsgarnitur im il pomodoro).

Wahrscheinlich am deutlichsten sind die kulinarischen Defizite an den Desserts zu spüren – denn mit dem Wiedererkennungswert der süßen Gerichte hapert es. Sei es beim Tiramisu, das nach allem schmeckt, nur nicht satt nach Mascarpone, und mit zuckerhaltigem Kakaogetränkepulver bestreut ist (eine Sünde), oder sei es bei der geschmacksbefreiten und körnigen Panna cotta, die erstickt unter einer penetranten Schicht klebrigsüßer Johannisbeermarmelade mit einer Krone billiger Schlagsahne aus der Sprühdose.

(Um die letzten beiden Absätze ins Positive zu wenden: Die Gerichte sind entsprechend günstig. Ein vegetarisches Drei-Gänge-Menü mit einem Viertel Wein kostet unter 20 Euro.)

Prinz vergibt ganze fünf Punkte auf der Bewertungsskala. Das ist gut gemeint, viel zu gut. Seien wir ehrlich: Wenn das Essen im Mittelpunkt stehen soll (und darf!), sind in Stuttgart definitiv andere italienische Restaurants vorzuziehen. Für den ganz spontanen Besuch in herzlich-familiärer Atmosphäre oder auch für den schmalen Geldbeutel ist das il pomodoro aber immer wieder eine sympathische Wahl.

il pomodoro: Filderstraße 25 – 70180 Stuttgart-Süd

Lorettas Untergrund – Alimentari da Loretta und die „Alpenrepublik Ö: Eine Grenzerfahrung“

Es geht einmal quer durch Lorettas Küche und hinab in den Kellerraum mit den Türen zu schmalen Hinterhöfen. Ich zwänge mich auf eine Bank zwischen 20 Fremden an den gemütlich engen Tischen, nehme mir von den Flaschen auf dem Tisch und merke mir meine Gläser Wein für die Abrechnung – kein Kellner schreibt mit.

Heute ist österreichischer Abend („Seawas! Griass di! Pfiati!“) in der Alimentari da Loretta im Stuttgarter Süden. Robert Atzlinger singt und witzelt und erzählt von der österreichischen Seele und ihren Nöten, wenn man etwa einst so groß war und dann so klein, dass Abfangjäger nicht wenden können, ohne fremdes Staatsterritorium zu überfliegen.

Dazu gibt es gute italienische (und heute eben auch österreichische) Küche, man lauscht und lacht, schmaust und trinkt, kommt mit den Tischnachbarn ins Gespräch und alles ist sehr laut und heiter und familiär. Ein wahres Gaudi – und ein Geheimtipp in Stuttgart. Servus, pfiats euch und guat Nacht, antwortet da der gebürtige Allgäuer gern.

Alimentari da Loretta: Römerstraße 8 – 70178 Stuttgart-Süd

http://daloretta.over-blog.de/