Calderón geht auf Reisen (4)

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Eine Komödie von Aristophanes kann einen zum Lachen bringen. Es ist fantastisch zu erleben, wie der Humor einen Abgrund von 2400 Jahren überbrückt.

Calderóns Komödien, nicht mal 1/6 so alt, erscheinen mir im Vergleich, sagen wir einmal, harmlos. Zumindest auch der zweite Versuch, „Über allem Zauber Liebe“, schlug mich nicht in den Bann. Anders ergeht es darin den Gefährten des Odysseus, die an Circes Gestaden stranden und sich als tolle Tiere und alberne Affen benehmen, so geht es über die Zaubermacht der Liebe auch Circe und Odysseus.

Vor dem Regen auf Besuch in die Hauptstadt geflüchtet. Draußen rauschte es und wir tranken den grüngoldenen Tee aus Salbeiblättern unserer Heimatregion, dem südlichsten Landkreis Deutschlands. Als die Wolkenwut zu Nieseln verblasste, hinaus. Am monumentalen Ehrenmal der sowjetischen Gefallenen im Treptower Park war ich sprachlos: ein durch und durch ideologischer Ausdruck eines totalitären Systems – ohne einen einzigen kritischen Satz auf den erklärenden Tafeln. Da zahlt die Bundesrepublik also für die Pflege und die unreflektierte Konservierung der verlogensten in Stein gemeißelten Statements Stalins.

Dann riss der Himmel doch noch auf und am anderen Ende der Stadt, irgendwo in Charlottenburg, übergab ich die Komödie einem grünen Männchen zu treuen Händen. Bitte, mein Guter, gib das Heftchen weiter.