Calderón geht auf Reisen (4)

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Eine Komödie von Aristophanes kann einen zum Lachen bringen. Es ist fantastisch zu erleben, wie der Humor einen Abgrund von 2400 Jahren überbrückt.

Calderóns Komödien, nicht mal 1/6 so alt, erscheinen mir im Vergleich, sagen wir einmal, harmlos. Zumindest auch der zweite Versuch, „Über allem Zauber Liebe“, schlug mich nicht in den Bann. Anders ergeht es darin den Gefährten des Odysseus, die an Circes Gestaden stranden und sich als tolle Tiere und alberne Affen benehmen, so geht es über die Zaubermacht der Liebe auch Circe und Odysseus.

Vor dem Regen auf Besuch in die Hauptstadt geflüchtet. Draußen rauschte es und wir tranken den grüngoldenen Tee aus Salbeiblättern unserer Heimatregion, dem südlichsten Landkreis Deutschlands. Als die Wolkenwut zu Nieseln verblasste, hinaus. Am monumentalen Ehrenmal der sowjetischen Gefallenen im Treptower Park war ich sprachlos: ein durch und durch ideologischer Ausdruck eines totalitären Systems – ohne einen einzigen kritischen Satz auf den erklärenden Tafeln. Da zahlt die Bundesrepublik also für die Pflege und die unreflektierte Konservierung der verlogensten in Stein gemeißelten Statements Stalins.

Dann riss der Himmel doch noch auf und am anderen Ende der Stadt, irgendwo in Charlottenburg, übergab ich die Komödie einem grünen Männchen zu treuen Händen. Bitte, mein Guter, gib das Heftchen weiter.

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WG gesucht – Junge Literatur zur zwischen/miete in Stuttgart

„Zur Lesung? Einfach links zum Aufzug und dann in den 9. Stock“, erklärt der nette junge Mann, der sich mit Krücken in einem Stuhl vor dem Eingang fläzt. Oben werden wir in Empfang genommen, für einen Fünfer gibt es einen roten Stempel auf die Hand, dann geht es hinein in die WG des Max-Kade-Hauses. In der Küche des Wohnheims bekommt man ein Rothaus Tannenzäpfle und eine Butterbrezel (schwarzer Stempel, im Eintrittspreis inbegriffen), im Wohnzimmer sitzen ringsum Leute auf Stühlen, Hockern oder Kissen, die Autorin hat bereits hinter einem niedrigen Tisch mit Mikrofonen Platz genommen. Die Fenster stehen weit offen, in den Zimmern dampft es noch, draußen hat der Gewitterregen die Luft abgekühlt. Wann war ich das letzte Mal in einem Studentenwohnheim?

Das klassische Publikum des Stuttgarter Literaturhauses trägt – ob gerechtfertigterweise oder nicht – den Ruf eines silberhaarigen, pietistisch eingefärbten Bildungsbürgertums. Der Kultureinrichtung und Literaturlesungen neues Publikum zu erschließen, kann jedenfalls so oder so nicht verkehrt sein. Die Leiterin des Literaturhauses Stefanie Stegmann, die im Januar Florian Höllerers Nachfolge angetreten hatte, brachte ein in ihrer früheren Wirkungsstätte Freiburg bereits erprobtes Format mit nach Stuttgart: die „zwischen/miete“ – Lesungen jüngerer Autorinnen und Autoren in WGs.

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Bunt unterm Fernsehturm: „zwischen/miete“ in Stuttgart

Die zwanglosen Wohnzimmerlesungen eröffnet hatte im Frühjahr „Wie ich mir das Glück vorstelle“ von Martin Kordić. Im Juni folgte Verena Roßbacher, 1979 im österreichischen Vorarlberg geboren und in Berlin wohnhaft, mit ihrem Werk „Schwätzen und Schlachten“. Das ist irgendetwas zwischen Kriminalgeschichte, Weltroman und griechischem Mythos mit österreichischem Einschlag. Seine Schauplätze sind unter anderem Berlin sowie Meck-Pomm, „das müssen Sie nicht kennen“, der Handlungsmotor ein Mord, der noch gar nicht begangen wurde, und am Ende gibt es drei Hochzeiten (hoffentlich ironisch genug, um nicht reaktionär zu wirken). Die drei Ermittler, Berlinbewohner selbstverständlich, erweisen sich als Detektive der hysterischen Sorte, sie sind Hipster ohne Coolness, „softe Jungs, die im Notfall sogar stricken können“, wie Verena Roßbacher sie charakterisiert. Man ahnt, solche Ermittler treiben die Handlung eher durch Gequatsche voran, überhaupt ist das Buch eine einzige große Plauderei. (Durchsetzt, nebenbei, von einer kulturellen Bestandsaufnahme in Gestalt eines Klopapiers des Wissens, das – Wandkacheln aus dem iranischen Isfahan gleich – ein schier unendliches Muster aus Information transportiert, in unserem Fall mit allem, was ein 30 Something als Teil seiner kulturellen Identität wiedererkennt: von der Musik Philipp Glass‘ bis zu Asterix, den guten alten Heften natürlich.)

Am interessantesten an der Plauderei ist die Metaebene des Romans, auf der sich die Autorin und ihr Lektor Olaf über das Buch unterhalten: ein gewitzter Schlagabtausch, eines Waldorfs und Statlers würdig, und eine erzählerische Finesse, die an „Das Wetter vor 15 Jahren“ ihres Landsmannes Wolf Haas erinnert und mit knisternden Reminiszenzen an die Gegenwartskultur angereichert ist: Etwa bei dem Kaffeehaustreffen zwischen Autorin und Lektor, bei dem er einen Apfelstrudel bestellt und sich mit entschlossenen Gesten Strudelstücke mit Schlagsahne in den Mund schiebt, und man unweigerlich in diesem Augenblick das Gesicht von Christoph Waltz aus „Inglorious Basterds“ vor sich sieht.

Auf 630 Seiten läuft sich das Gequatsche allerdings doch irgendwann tot. Da helfen dann auch eingängige Parolen wie „Österreich ist eine Krise“ oder „Das Plumplori schläft nie“ nicht. Immerhin, so muss man doch sagen, tut Verena Roßbachers Lust am Schwätzen dem Abend gut. Die Moderation ist zögerlich, die Autorin aber zur Stelle und sie wickelt die Lesung souverän im Alleingang ab, beantwortet dankenswerterweise Fragen, die gar nicht gestellt wurden, und drängt, bevor ein peinliches Stocken aufkommen könnte, zum nächsten Kapitel, das sie mit sexy rauer Stimme vorträgt. Interessant war der Abend allemal.

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Hinterhoflesung im Osten

Und so geht es am 2. Juli zur nächsten „zwischen/miete“ in einer 2er-WG im Stuttgarter Osten. Eine doppelflügelige Holztür öffnet die Wohnung zum schmalen Hinterhof hin. Kleine Lampions hängen über dem Eingang, Kästen mit Tannenzäpfle stapeln sich neben der Tür, ein einladender Ort. Das Wohnzimmer – Halbparterre zur Straße hin – ist bereits besetzt von jungen Menschen, auch in der Küche stehen sie, doch draußen gibt es nach einem Gang zur WG-Toilette (spätestens jetzt als Fremder an dem intimen Ort fühlt es sich irritierend mehr nach Party als nach einer Lesung aus dem Literaturhausprogramm an) noch ein paar Stühle. Dort sitzt schon P., bereits zufälliger Sitznachbar auf der zweiten „zwischen/miete“ und erprobter Lesungsbesucher. Ein paar Leute teilen sich Pizza aus einer Familienschachtel und „hoppla“ sagt der stämmige weißhaarige Mann aus dem Nachbarhaus, als er ums Eck biegt und unvermutet zwischen unsere Klappstühle gerät.

Die Stimmung ist eine ganz andere als bei der vorherigen Lesung. Dorothee Elmiger ist mit ihrem Roman „Schlafgänger“ aus der Schweiz angereist. Das Buch erweist sich als ein Kaleidoskop flüchtiger Existenzen und Momente, der Tonfall ist lakonisch und entrückt wie ein Traum, das Erlebte entgleitet seinen Erzählern. Die sanfte Stimme Dorothee Elmigers mit dem Schweizer Anklang in ihrem Lesehochdeutsch trägt den Text perfekt. „Und ich hob, heiter fast“ und das ist ganz wichtig, dieses „fast“, denn die Dinge sind wie weggerückt, schlafwandlerisch.

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Das Sofa schon besetzt? Kein Problem, ein Lautsprecher ist zur Stelle.

Der sommerliche Wind umweht einen draußen auf den Hofstühlen, er raschelt durchs Gebüsch, gedämpft brummen die Autos hinter den hohen Ziegelwänden, eine Kirchglocke schlägt an, ein einzelner Schlag nur, gegenüber das Klackern eines Topfdeckels durch eine offene Balkontür herab, Murmeln irgendwo, Gläserklingen und diese behutsame Stimme aus dem Wohnzimmer und sie trägt einen fort und fort … Und doch ist „Schlafgänger“, das darf auf keinen Fall unterschlagen werden, ganz und gar kein eskapistisches Traummärchen, sondern ein Roman über Migration, Verortung und Verteilung.

„Erstaunlich, dass es kaum eine Überschneidung gibt zwischen dem Publikum im Literaturhaus und dem der zwischen/miete“, konstatiert P., der bisher alle drei Veranstaltungen aus der Reihe besucht hat. Und es ist wahr: Mit wem man hier (außer P.) ins Gespräch kommt, ist vielleicht ein junger Mann, der frisch vom Studium entlassen, etwas „mit Medien“ in Hamburg macht und zu seiner Freundin in Stuttgart pendelt, oder ein Mädchen, das bald in Tübingen ihr Studium beginnen wird, Volkswirtschaft und Kulturwissenschaften, versteht sich. Ob sie alle der Literatur wegen kommen – oder nicht doch eher, weil hier etwas geht, weil da was los ist nebenan mit Menschen und einer Flasche Bier? Vielleicht ist das ja auch ganz egal!

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Buch und Bier – die zwischen/miete für junge Literatur

Im Oktober geht es jedenfalls weiter mit der vierten Stuttgarter „zwischen/miete“. Vanessa F. Fogel wird aus „Hertzmann’s Coffee“ lesen. Und ich wünsche mir fast, noch in einer WG zu leben.

Hier gibt es mehr zur zwischen/miete in Stuttgart.

Und diese Romane wurden gelesen:

Verena Roßbacher, Schwätzen und Schlachten. Roman. Kiepenheuer & Witsch. Gebunden, 640 Seiten. Köln 2014.

Dorothee Elmiger, Schlafgänger. Roman. Dumont. Gebunden, 142 Seiten. Köln 2014.

Was Berlin Stuttgart neidet – Auf einer brasilianischen Roda de Choro und das Bohnenviertelfest

Kürzlich, als die Sommernächte noch warm waren, reiste ein Onkel aus Berlin an, um bei einer Roda de Choro in Stuttgart mitzuspielen. Er war fast so lange mit der Mitfahrgelegenheit unterwegs, wie er dann Stunden in der Stadt verbrachte. Bereut hat er seine Reise nicht.

Gelockt hatte ihn der Choro, ein brasilianischer Musikstil, bei dem verschiedene Saiteninstrumente, Bläser, Percussion und bisweilen Gesang zum Einsatz kommen. Seine Wurzeln gehen ins 19. Jahrhundert zurück, Mitte des letzten Jahrhunderts war er fast verschwunden, doch inzwischen findet er wieder mehr und mehr Liebhaber – nicht nur in Brasilien, sondern auch in den USA und in Europa. Manche nennen die Melodien des Choro melancholisch, mir kommen sie eher heiter vor – leicht wie die lauen Sommernächte in Woody Allens altersmilden Filmen.

Eine Roda de Choro, um die Begriffserklärung abzurunden, ist eine Art Jam Session. „Roda bedeutet eigentlich Kreis und bezeichnet die übliche Anordnung der Musiker: Runder Tisch, auf dem sich Noten und Getränke stapeln und drum herum die Musiker, die sich so besser sehen können.“ So erklärt es Hartmut Preyer, ein in der Szene bekannter Choro-Musiker aus Berlin, auf seiner Website.

IMG_0408Eine Roda de Choro in Berlin, Kreuzberg

Bevor die Roda in einem Restaurant im Leonhardsviertel zwischen einschlägigen Etablissements des Stuttgarter Rotlichtmilieus loslegt, bleibt noch etwas Zeit – Gelegenheit für einen Besuch auf einem traditionsreichen Straßenfest: dem Bohnenviertelfest.

Vor den „großen“, zu Schulzeiten noch so magischen Sommerferien jagt in Stuttgart ein Straßenfest das andere. Wochenlang kann man so von Viertel zu Viertel springen und sich die Wochenenden auf Plätzen und Straßenpflaster um die Ohren schlagen: das Straßenfest im hippen Heusteigviertel, das Marienplatzfest mit seinen Sitztürmen aus Holzpaletten, das bunte Afrika-Festival am Erwin-Schoettle-Platz, das gemütliche Bohnenviertelfest, das Henkersfest auf dem Wilhelmsplatz … – um nur als ein Beispiel von Partyhopping die zwei Kilometer zwischen Schreiberstraße und Charlottenstraße zu nennen.

TorbogenHinterhof im Bohnenviertel mit altem Torbogen

Das Bohnenviertel gilt als einziger erhaltener Teil der historischen Altstadt Stuttgarts und besticht – nur wenige Gehminuten von der hektischen Innenstadt entfernt – mit seinem Flair aus Kunsthandwerk und kulinarischem Genuss. Auf seinem sommerlichen Straßenfest bringt es nicht nur Anwohner und Gewerbe aus dem Quartier zusammen, sondern lockt auch viele ‚auswärtige’ Besucher. Sogar ein erprobter Berliner lässt sich da begeistern. „Klasse! Hier sind wir richtig! Wie lange geht das? Ist das einmal im Jahr oder jedes Wochenende?“

WeißweinEin Gläschen in Ehren

Nach einer ersten Bestandsaufnahme versuchen wir es mit württembergischem Weißwein aus Henkelgläsern. Ein paar ältere Herren spielen nebenan Dixieland, herrlich entspannt, heiter, zehn Schritte weiter baut die nächste Band bereits ihre Instrumente auf. Eine junge Frau tritt an den Weinstand, der Schankwirt und sie scheinen sich zu kennen. „Hallo, servus, willst du was?“ „Ja. Sag, was schmeckt mir denn?“

InstrumenteAtempause

Der Dixie hat sich ausgespielt, das Glas ist geleert, bei Gesprächen über Manfred Krug als Musiker („Jazz vom Feinsten“) und Vierröhrenverstärker, kopfschmerzverdächtige Weinmischungen und Spanferkelsemmeln, Malen nach Zahlen und Sprachunterricht ziehen wir weiter. Jede Gasse, jeder Hinterhof lockt, selbst in den engen Höfen der Handwerksbetriebe ist noch Leben – man weiß dann kaum mehr, ist man noch auf dem Bohnenviertelfest oder schon auf einer Betriebsfeier.

FensterWohnen im Bohnenviertel

In einer Seitenstraße häufen sich Menschen in schwarzen T-Shirts mit dem Aufdruck „echt zwinz“. Ein Junge baut mit seinem Vater an einem Turm, es ist eines jener Spiele, bei dem man aus einer Lage von Hölzern so viele wie möglich herauszieht und oben aufbaut, ohne das Ganze zum Einsturz zu bringen. Der Turm ist bereits höher als der Junge. Die Türen zur Schreinerei Zwinz für Design und Funktion („Gegen Vergessen hilft nur Merkwürdig sein“) stehen den Besuchern offen. Es ist fast ein Zauberreich, das man hier betritt mit seinen Hölzern, seinen Formen, seinen Farben auf zwei Stockwerken. Im Obergeschoss werden Kaffee und Kuchen serviert, eine Dachterrasse lädt zum Sitzen ein, so überzeugend, dass sie einfach gestellt werden muss, die Frage: „Bieten Sie hier regelmäßig Kaffee und Kuchen an?“ Leider nein, aber die Frage hatten die freundlichen Damen an diesem Tag wirklich nicht zum ersten Mal gehört.

Zwinz_DachterrasseWer will nicht hier sitzen? Dachterrasse der Schreinerei Zwinz

Als wir wieder hinaustreten auf die Gasse, schlägt einer der Schreiner auf der Schwelle sitzend eine Gitarre an. „Schau, aus Ahorn, das ist der Hammer“, erklärt mir mein Onkel. „Ahorn gibt einen besonderen Klang, hell, nach vorne gerichtet, einen guten attack.“ Echt Zwinz bis ins Gitarrenspiel.

GasseIn einer Gasse

Zurück auf den Hauptgassen reiht sich Band an Band. Der Sound fließt ineinander, man entkommt hier der Musik nicht. Ein kleiner Junge krabbelt fröhlich auf dem Kopfsteinpflaster – „Oh, hier kommt uns ein kleiner Bürger entgegen!“ –, wir weichen aus, als mich unerwartete Klänge sofort umdrehen lassen. Tatsächlich, „The Dambusters March/Medley“ von Jethro Tull aus ihrem Live-Album „Bursting Out“. (Gäbe es eine Zeitmaschine, wäre ein Konzertbesuch auf dieser Tournee eines meiner vorrangigen Ziele.) Die Musik kommt aus einer Erdgeschosswohnung, die Fenster sind weit zur Straße hin geöffnet, auf einer Fensterbank sitzt im Schneidersitz ein Mann im schwarzen T-Shirt, eine Zigarette in der Hand, und schaut sich gelassen das Treiben an. „Echt überall Bands“, erklärt er lachend. „Gleich da drüben lärmen sie, also muss ich doch dagegenhalten, oder? Gestern hatte ich The Who, heute Jethro Tull.“ Er macht sich sein eigenes Bohnenviertelfest. Und bereichert es.

PfandSchon im Leonhardsviertel? Nein, ein Schnapsausschank

Dann ist es so weit: Die Roda de Choro e Samba ruft, wir lassen das bunte Treiben hinter uns, ziehen vorbei am hässlichen Parkhaus, das Bohnenviertel und Leonhardsviertel trennt (viele, die es nicht so genau nehmen, schlagen die Rotlichtmeile dem Bohnenviertel zu), vorbei am Maxim, wo später, wenn die Freier schwirren, Türsteher postiert sein werden, um die man gerne einen großen Bogen schlägt, wir passieren das Irma la Douce gleich daneben, dieses (leider auch preislich) fantastische französische Restaurant, und tiefer die Katharinenstraße hinab.

Noch sind nicht viele Choro-Musiker vor Ort, aber nach und nach wächst die Runde an, manche sind wie mein Onkel nur für diesen Abend aus einer anderen Stadt angereist und ein langer musikalischer Abend beginnt. Das Restaurant ist nicht gut besucht, doch das ist ganz egal. Die Roda spielt wie für sich, voller Lebenslust und Freude, und ist sich ihr eigenes Publikum.

Gegen Mitternacht lege ich meinem Onkel die Zweitschlüssel für die Wohnung hin und spaziere durch die Sommernacht nach Hause, die Schuhe in der Hand und barfuß über das Kopfsteinpflaster, über den warmen Asphalt. Mein Onkel hat da noch ein paar Stunden Roda de Choro vor sich. Als er sich in einer Pause die Beine vertritt und auf der Hoffnung nach einem Spanferkel hinüberschlendert ins Bohnenviertel, ist das Fest dort bereits zu Ende. Macht nichts. Mein Onkel freut sich trotzdem schon auf seinen nächsten Besuch.

Das Stuttgarter Bohnenviertel lässt sich im Netz erkunden auf der Website des Handels- und Gewerbevereins Bohnenviertel mit netten kleinen Hintergrundinformationen („Häddet Se’s gwusst?“). Einen vor allem historischen Streifzug durch die Gassen des Quartiers bietet http://www.stuttgarter-bohnenviertel.de/. Für einen schnellen Überblick über das heutige Viertel ist auch http://www.bohnenviertel-stuttgart.de/ hilfreich.

Herbert’z Espressobar – Berliner Charme im Lehenviertel

Ein erster Cafébesuch in meinem künftigen neuen Stadtteil: Herbert’z Espressobar. Belebt und offenbar beliebt vor allem bei jungen Leuten und jungen Familien. Und sehr, wie soll man sagen, alternativ: der nonchalante Charme des absichtlich Heruntergekommenen. (Man lasse sich von der glitzernden Kaffeemaschine auf der Website nicht täuschen.) Warum nur musste ich gleich an Berlin denken? Dafür gab es aber auch mit freundlichen Worten das Kuchenstück extra groß – „weil der sich so schlecht schneiden lässt.“

Herbert’z Espressobar: Immenhofer Straße 13 – 70180 Stuttgart-Süd

http://www.stuttgart-sued.info/258_Herbert.html/