Schau mir in die Augen

Elefant_Stofftier_Wunderschöne Dinge

Kann man diesen Augen widerstehen? Kaum. Wer den kleinen Elefanten erwerben möchte, kann das zum Beispiel im Geschäft „Wunderschöne Dinge“ an der Ecke Römerstraße/Liststraße im Lehenviertel (Stuttgart-Süd) tun. Und mich eine Ecke weiter auf einen Kaffee rausklingeln.

(Das war #swch 5/5. Keine Nominierung.)

„Ich trau mich nicht auf die Straße“

2015-03-26 20.03.58

Aber nicht doch, kleines Haus, du musst dich nicht hinter deinen Geschwistern verstecken.

Das – in Wahrheit sehr blaue – Haus in der Tübinger Straße ist das vierte von fünf Fotos der Schwarzweiß-Challenge (#swch). Richtig, ich habe mich nicht verzählt. Nr. 3 gibt es nur auf Twitter.

Weil der Journalist und Blogger Wolfgang Weitzdörfer das Modewort „Challenge“ genauso entsetzlich findet wie ich und gegenüber Kettenbriefaktionen mindestens so skeptisch ist, aber seine Prinzipien offenbar entschiedener lebt als ich, hier ein Vorschlag zur Güte: Lieber Wolfgang, magst du die Herausforderung annehmen, ein, nur ein Schwarzweißfoto zu posten? Bua, komm, sei net so – Gott vergelt’s.

Hinterhoffluchten

Stuttgart_Heusteigviertel_Hinterhof

Blick aus der Falbenhennenstraße im Heusteigviertel (Klick macht groß)

Es geht ja wieder etwas um zur Zeit: #swch. Klassische Symptome: fünf Tage lang ein Schwarzweißfoto posten. Ich hatte mich als Wort- und nicht Bildbastler in Sicherheit gewiegt, doch diese Hoffnung war trügerisch. Angesteckt hat mich Katja vom Blog Gedankensprünge. Danke dafür. Ob der Virus als nächstes Mojo from the Blog erwischen wird? Der wohnt schließlich nur einen Block entfernt. Gefährlich nah.

Der kurze Traum vom Stromer

Stuttgart_Feuersee_Johanneskirche_Frühling_Sonne

Am gestrigen Tag des Frühlingsbeginns an einem windstillen Plätzchen zu sitzen – wie hier an der Johanneskirche am Feuersee – und in die Sonne zu blinzeln: Da reduzieren sich die Bedürfnisse wie von Zauberhand auf ein Minimum. Und man träumt von einem verantwortungsfreien Leben als Herumtreiber (wie in einem Roman von Jack London oder John Steinbeck vielleicht). Zumindest bis zum nächsten Hunger lang.

Ausblick

Birkenkopf_Monte Scherbelino_Stuttgart

Wir stehen auf dem Gestern und schauen in das Morgen, wie hier auf dem Birkenkopf kurz nach Neujahr – höchster Punkt im inneren Stadtgebiet Stuttgarts. Die obersten 40 Meter sind aus anderthalb Millionen Kubikmetern Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg geformt, daher auch sein merkwürdige Zweitname Monte Scherbelino. Bald wird es wieder lichter auf der Anhöhe, wenn die Birken austreiben, und im Sommer räckeln sich Eidechsen auf den warmen Steinen.

„Hey Mark“

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Wenn sich die Definitionskraft eines Namens umdreht.

Zu finden in Stuttgart-Steinhaldenfeld, einem jener „Was, das hier gehört noch zu Stuttgart?“-Stadtteile, in die man sich als Nichtanlieger eher selten verirrt. Es kann – um noch einmal die Tücken der Namensprägung aufzugreifen – nichts als eine schäbige Koinzidenz sein, dass einer der Betreibernamen der Website http://www.steinhaldenfeld.de ausgerechnet Morlock heißt. Nein, wir denken nicht an H.G. Wells „Zeitmaschine“.

Prominentere Zuckerberge als hier gibt es in Trier und in Braunschweig. In welchen Städten noch?

Keine Suchergebnisse für: „Sad Arab Fags“

IMAG1241Das Wort hat auf meinem Blog einen eindeutigen Vorrang vor dem Bild, das sagt ja schon der Name „Zeilentiger liest Kesselleben“. Ganz recht ist es mir daher nicht, nach der Pfandpflicht auf dem Friedhof schon wieder ein Foto in den „Koordinaten“ zu veröffentlichen. Aber manchmal springt einen ein Zeichen aus dem unüberschaubaren Informationsgeflecht Stadt einfach an. Es hat meine Aufmerksamkeit errungen, es will gesehen werden.

So dieses anonyme Plakat am Marienplatz in Stuttgart-Süd. Wer sind diese traurigen arabischen Schwuchteln? Wer bemitleidet (oder verhöhnt) sie? Und warum hier? Wo noch steht diese Botschaft ? Ist sie womöglich nur der erste, enigmatische Schritt einer Kampagne, deren folgenden Botschaften irgendwann irgendetwas enthüllen werden? Die Suchmaschinen lüften den Schleier jedenfalls nicht. „Es wurden keine Ergebnisse gefunden.“ (Ist dies hier wirklich die allererste Nennung dieser Wortgruppe im frei zugänglichen Teil des Internets?)

Gerne wüsste ich mehr. Leserzuschriften ausdrücklich erwünscht! (Aber das ja sowieso.)

Pfandpflicht

IMAG0729Supermarktgefühl auf dem Friedhof: Der Ordnungswille hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Mir zumindest waren in diesem Jahr das erste Mal Pfandschlösser an Gießkannen aufgefallen. Wie hier auf dem Fangelsbachfriedhof im Stuttgarter Lehen, wo unter anderem ehrwürdige Herrschaften wie Immanuel Fichte (Philosoph und Herausgeber der Schriften seines Vaters Johann Gottlieb Fichte) oder August Friedrich von Pauly (alle Altertumswissenschaftler kennen ihren „Kleinen Pauly“) liegen. Also, nicht vergessen, auch zum Friedhofsbesuch künftig Kleingeld mitzubringen!

„Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.“

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Ein Sonntagsausflug hatte mich heute wieder in Stuttgarter Außenbezirke geführt, die zwischen mangelndem Charakter und schierer Trostlosigkeit changieren, und auch der Kurzbesucher erlebt, wenn er in Stuttgart-Mitte vorstößt, die Stadt mit ihrer kalten Büroarchitektur nicht von ihrer verführerischsten Seite.

Zu den Juwelen in der Krone der Stadt gehören hingegen die Straßenzüge aus den Zeiten von Historismus und Jugendstil. Von ihnen haben trotz der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg (Wikipedia spricht von 57,5 Prozent zerstörter oder beschädigter Bausubstanz) genügend überlebt, um sich fast wie ein Ring um das Zentrum zu ziehen. Die abwechslungsreichen, detailverliebten Fassaden sind Fußgängerarchitektur und keine Autofahrerarchitektur, für die Feinheiten geschwindigkeitsbedingt nebensächlich sind, und vielleicht deshalb sprechen sie viele von uns so unmittelbar an. In diese Straßen, durch die ich jeden Tage spaziere, habe ich mich längst verliebt. Sie sind in meinen Augen ein wahrer Schatz.

Wird in die Erhaltung dieser Fassaden nicht investiert, verlieren sie ihren Liebreiz rasch; erst recht, wenn sie (wie es häufig der Fall ist) aus dem auf Umwelteinflüsse empfindlich reagierenden Sandstein sind. Und wirken manchmal, als trügen sie noch immer die Narben des letzten Krieges, wie dieses Haus in der Hauptstätter Straße, Stuttgart-Süd.