Pausenfüller mit Gauck und Katze

Von wegen 6 km. Ich komme mit der letzten Bahn aus der Stadt von der Rede des Bundespräsidenten und guten Gesprächen auf dem Empfang und schlage die zweite Weghälfte zu Fuß ein, weil dorthin um diese Zeit kein Zug mehr fährt. Nach 2 km trunkenen Marsches rufe ich mit dem allerletzten Restchen Akkuladung ein Taxi − und dann sind es, wie sich herausstellt, immer noch 8 km. Kluge Entscheidung. Wann, grübele ich trotzdem, hatte mein Arbeitgeber eigentlich das letzte Mal von mir eine Taxirechnung erhalten? Ich erinnere mich nicht daran. Endlich bin ich im Dorf, jetzt heißt es nur noch im Finstern die Stufen zur Burg empor. Unter den Bäumen sehe ich nichts, ohne Handlauf wäre es eine furchtbar blutige Sache geworden, aber auch so dauert es eine halbe Ewigkeit. Als ich oben die romanische Kirche passiere, schlägt es unter weitem Sternenhimmel halb 1 Uhr und an den Stufen zur Hoteltür empfängt mich eine nachtwachende Katze. Sie reckt sich, sie streckt sich unter meiner Hand und schnurrt begierig. Es ist irgendwie wie nach Hause kommen. Das Leben ist wunderbar. Heute zumindest − über morgen Früh können wir dann noch reden.

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Blick in den kostenlosen Bücherfundus – geöffnet nur sonntags nach dem Gottesdienst

 

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21 Gedanken zu „Pausenfüller mit Gauck und Katze

  1. An einem fremden Ort. Und darüberhinaus nach einer Gauklerrede. Gegen Mitternacht. In einem Kaff, in das kein Zug mehr fährt um diese Zeit. Im Nachtdunkel einem Hotelzimmer entgegen. Auf dem Burgberg. Mehr Alleinsein, es wäre erfunden.
    Das Schnurrstrecken der Katze, und wäre sie grau gewesen, war für einen Moment Heimat…
    Frühmorgendlichersttasseteegeniessende Grüsse aus der noch sonntagsschlafenden Stadt

    • So ist es, werter Herr Ärmel. Für den Gaukler muss ich eine Lanze brechen, auch wenn Sie das nicht gerne hören werden. Von den vielen Reden der Woche war seine ganz gewiss nicht die schlechteste. Jetzt gibt es gleich eine Tasse Morgenkaffee, während Sie sicher schon längst auf Wegen sind. Einen schönen Tag wünsche ich!

      • Naja, nur schlecht kann er ja nicht sein. Wo so viel Dunkelheit und Schatten sind, muss irgendwo ein Lichtstrahl einfallen.
        Bestsonnigvogelzwitscherndenachfrühstücksgrüsse aus der lebendigen Stadt.

      • Oohh – um 14:00 werde ich auf dem Flughafen sein, um jemandem das Lebewohl zu sagen.
        Ihnen werde ich um diese Zeit einen freundlichen Gedanken zusenden und Bahnglück wünschen für Pünktlichkeit & Sicherheit…
        Bestsonnigvogelzwitscherndefrühstückssattegrüsse aus der lebendigen Stadt

      • Ich werds ausrichten – rechtfeinen Dank für die guten Wünsche.
        Der Tag soll sonnig bleiben – (damit der Abschied schwerer fällt // oder die Rückkehr umso leichter // das alte Lied von halbleer und halbvoll)
        Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine genussvolle bahnfahrt wohin auch immer…
        Bestsonnigdomglockenkrawallande Grüsse aus der schönsten Stadt/a.M.

  2. Ich wünsche Ihnen, daß auch das heute Früh wundervoll sich fortsetzt. Weil ja immer irgendwie ein wohlig schnurrender Gedanke einen begleitet. Ob nun in Burgkatzenform, Freibibliothek oder einfach in einem angetragenen Winkgruß. Ich sende Bestwünschungsgrüße und angenehme Zugreiserey, Ihre Frau Knobloch.

      • Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß es so bleibe. Sonnigheiter im Gemüte, auch wenn Herbstgrau naht. Schließlich naht damit einhergehend ja Kreuzkümmelkrautzeit, hurra! Gutgeruhte Grüße, Ihre Frau Knobloch, rübenschnitzend.

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