Halleluja

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Die Massen stürmen in das Gotteshaus, lange Schlangen bilden sich vor den Pforten. So viel Andrang hat die Marienkirche sicherlich schon lange nicht mehr gesehen. (Eine neugierige Frage an die Lokalhistoriker: Hat sie es jemals?) Nicht Tempeldienst lockt die jungen Menschen, versteht sich. Sondern das Duo „Me and My Drummer“ gibt hier und heute auf seiner Tournee ein Freikonzert: die Marienkirche als Eventlocation.

Im späteren 19. Jahrhundert als erste katholische Kirche Stuttgarts nach der Reformation errichtet, wurde sie wie viele andere Kirchen der Stadt im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und beherbergt heute mehrere gotische Kunstwerke als Leihgabe des Württembergischen Landesmuseums. So weit die Fakten.

Andere Dinge springen mehr ins Auge. Das Quartier um den ehrwürdigen Sandsteinbau hat es ein bisschen schwer. Das liegt nicht am Furtbachkrankenhaus − einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie − gleich nebenan. Es liegt schon eher an dem beliebten Drogentreff auf dem Platz vor der Kirche. Es liegt ganz entschieden an der scheußlichen Paulinenbrücke auf der anderen Seite des Vorplatzes: Teil der sogenannten Stadtautobahn, in ihrem „Totraum“ ein nicht minder scheußlicher und permanent nach Urin riechender Parkplatz.

Richten sollen es nun zwei Großbauten: auf der stadtmittigen Seite der Brücke das Gerber, eines von mehreren in Stuttgart derzeit entstehenden und − seien wir ehrlich − völlig überflüssigen Einkaufszentren, auf der anderen Seite das Caleido, ein Büro-, Wohn- und Geschäftshaus, neben dem die Marienkirche zusammenschrumpft. „Hier wächst Stuttgart zusammen“, Werbespruch an der Gerberbaustelle, klingt zumindest ironieverdächtig.

Ob durch das Konzert in der Marienkirche mehr zusammenwächst? An der Tür tut sich nichts mehr, ein Einlass in das Konzert erscheint hoffnungslos. Die jungen Leute auf dem Platz nehmen es gelassen, man hingegen tigert weiter.

Marienkirche, Fangelsbachstraße 20 (Stuttgart-Süd)

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9 Gedanken zu „Halleluja

  1. Pingback: sendepause (3) | neuköllner botschaft

  2. Habe dein Bild schon bis zur Verpixelung rangezoomt: Kannte zwei, die auch Teil der Menge (vor der Tür, nicht drinnen) waren. Und weitertigerten. Man erzählt ich, die umliegende Gastronomie hat auch stark vom überfüllten „Gotteshaus“ profitiert 😉

    Buchstabenbunte Grüße
    von das A&O

    • Solche Informationen lassen sich also aus meinen harmlosen Handyknipsereien ziehen!? 🙂 Ja, von der umliegenden Gastronomie wurde mir gestern auch erzählt: Ein japanisches Restaurant sei sehr empfehlenswert.

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