Damaszener Verbindlichkeiten

Da kaufte ich zwei Fata’irfladen für 20 Lira und stellte fest, dass ich nur einen Tausender bei mir hatte (der größte syrische Geldschein, damals etwa 17 Euro wert). Natürlich konnten die Bäcker nicht herausgeben. „Zahl das nächste Mal“, sagten sie mir. Ich war nicht gerade Stammkunde dort, nur alle ein oder zwei Wochen vielleicht. Das genügte als Vertrauensvorschuss.

Eine französische Freundin vor Ort erzählte mir daraufhin ihre Geschichte. Sie war drei Jahre früher schon einmal in Damaskus gewesen. Am letzten Urlaubstag wollte sie ein Geschenk für ihre Mutter besorgen. Sie fand etwas Passendes, für 1000 Lira – doch da hatte sie nur noch 500 im Geldbeutel. Was machen? „Kein Problem“, winkte der Verkäufer ab. „Nimm es für 500 und zahl die restlichen 500, wenn du irgendwann mal wieder in Damaskus bist.“

Nun, drei Jahre später, war sie in seinen Laden getreten und hatte die fehlenden 500 Lira auf den Tisch gelegt. Der erfreute Händler lud sie daraufhin auf die Hochzeitsfeier einer Verwandten ein.

Gibt es nicht wunderbare Menschen?

(Damaskus 2004)

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6 Gedanken zu „Damaszener Verbindlichkeiten

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