Fitness first!

Menschen, die den Aufzug in den zweiten Stock nehmen, um sich dort im Fitness Club auf das Laufband zu stellen.

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Gespräch zwischen zwei losen Bekannten in der Umkleide.

„Ich habe heute eine Laufeinheit gemacht.“

„Laufen? Das ist gut, das ist echt wichtig.“

„Hm-hm.“

„Früher bin ich viel gelaufen, aber dann habe ich aufgehört damit und mach seither nur noch Krafttraining und seit ich 30 bin, habe ich ständig Gewichtsprobleme.“

„…“

„Wäre ich weiter gelaufen, wäre das nicht passiert. Hey, nur ein bisschen hätte da schon gereicht, halt so zwei-, dreimal die Woche.“

„…“

„Ich sag’s dir, mach du den Fehler echt nicht.“

„…“

„Ja, Mann, das war echt ein Fehler. Der größte Fehler meines Lebens! Wenn ich die Zeit nochmals zurückdrehen könnte, würde ich das anders machen.“

„…“

„Wirklich, das war einer von meinen drei größten Fehlern.“

„…“

„Mit dem Laufen aufhören ist der erste. Die beiden anderen sind Frauen.“

„…“

„Ja, boah, zwei Beziehungen hätte ich mir echt ersparen können.“

Ich spaziere aus der Umkleide und lasse den armen Teufel und sein Opfer zurück.

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Die Nagellackträgerinnen in schicken Sportklamotten, die zuallererst einen Cappuccino bestellen, sich an der Theke mit ihrem iPhone gemütlich einrichten, einen langen, sehr langen Plausch mit ihrer Freundin halten und nicht aussehen, als würden sie heute noch mit einer nennenswerten Erhöhung ihrer Pulsfrequenz rechnen.

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Die fettfreien arabischen Jungmännner mit Kriegerfrisuren, die sich in Unterhose unter die Gemeinschaftsduschen stellen.

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Der Camusleser mit schütterem Haar und umschlungenen Handtuch, der an der Tür zur Saunaterrasse sofort wieder einen Rückzieher macht, als er sieht, dass da schon einer nackt liegt.

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Am Ausgang das Plakat für den neuen Fitness-Ausdauer-Hit: „Freestyle schweißt zusammen“. Wollen wir das wirklich?

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Wie viele Geschichten liegen dort noch ungeborgen?

Walk on the Wild Side

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Irgendwann musste es einmal Zeiten gegeben haben, da öffnete man die Augen und war wach.

Was ist geblieben außer Banalität (auf ein Fragezeichen verzichtet er), wie diese Trümmer da am Wegesrand. Aber wer weiß, vielleicht bergen sie ja gerade den Schlüssel zu etwas Neuem.

„Hey babe, take a walk on the wild side“, die ersten Klänge des Morgens.

IMAG0772Diese Tage, wenn man weggeben will, um mehr zu haben. Es blieben: weiße Wände. Vielleicht würde es dann gelingen, Flöte zu spielen unten am Fluss.

Beim Biss in die Apfelschnecke, es ist ihr erstes Mal, küssen die Zuckerkörner die Lippen fast wie Schnee, der vergeht, wundert er sich.

Und da vorne biegt die Kollegin auf den Weg, bringt ihren Sohn zum Kindergarten. Auf dem Tretroller gleiten die beiden über den Asphalt, sehr leicht, zeitlos zumindest für diesen Augenblick, der Schwerkraft enthoben.

IMAG0771Fast liegt jetzt ein Lächeln in der Luft. Nieselregentropfen hauchen mir auf die Stirn.

Und sie sagen: Doo doodoo doodoo…

Schmollmund und Tattoo im Markt am Vogelsang

Ich steige zum ersten Mal an der Haltestelle Stuttgart-Vogelsang aus und bin sofort für den Stadtteil eingenommen durch den Anblick jener eleganten jungen Frau in Rot, die vor mir die Stadtbahn verlässt. Augenblicklich klemmt sie sich eine Zigarette zwischen den arroganten Schwung ihrer Lippen, ich skaliere ein wenig nach unten und bin dann überrascht, dass sie wie ich den Weg zur Markthalle am Vogelsang einschlägt.

Die berühmte Bauernmarkthalle im ehemaligen Straßenbahndepot gibt es nicht mehr, für sie komme ich zu spät. Seit 2010 können Biowaren dafür im Neubau erworben werden, dem „Markt am Vogelsang“ − einer Art Öko-Mall im Stuttgarter Westen, Halbhöhenlage.

Die Galerie mit Holzgeländer teilt sich das Restaurant Lässig mit einer Verkaufsfiliale des Waschbär-Versands (Mini-Bär für die Kleinsten inklusive). Eigentlich suche ich nach Handtüchern aus Bio-Baumwolle, sie gibt es nicht in der Auslage. Die Hemden und Lederhalbschuhe sind zwar auch verlockend (sie sind es immer) und dazu gerade im Angebot, aber für einen „Ich kaufe aus Spaß und nicht weil ich es brauche“-Einkauf mir doch immer noch zu kostspielig.

Also geht es wieder hinab ins Erdgeschoss, nach rechts und dann katapultiert sich ein Geschäft aus dem Nichts unter die Top drei der Stuttgarter Buchhandlungen. Buch + Spiel. Edition tertium hat eine Menge Spielwaren, etwa ein Drittel der Fläche ist für Bücher reserviert: ein ganz ausgezeichnetes, spürbar handverlesenes Sortiment, das auch und gerade Titel aus unabhängigen Verlagen umfasst.

Bevor ich mich mit hemmungslosen Bucheinkäufen unglücklich mache, rette ich mich hinüber ins Café De Luca − einer Theke mit Backwaren der Eselsmühle (einer Demeter-Holzofenbäckerei im nahen Siebenmühlental) und ein paar soliden Tischen. Der Bobbes ist leider zu trocken, das geht auch anders, und der Kaffee ist aus einem „Knöpfchen-drück-mich“-Vollautomaten und damit (ja, ich weiß, ich wiederhole mich) per definitionem nicht genießbar, aber der über und über tätowierte Kellner ist von ganz perfekter Aufmerksamkeit.

IMAG0588Ein Kaffee im De Luca

Ich knabber an meinem Eselchen und schaue mich um. Draußen wehen Demeterfahnen jenseits der winterlich verwaisten Terrasse mit den Olivenbäumchen und den Markisen von Neumarkter Lammsbräu, der einzigen Brauerei neben Erdinger im Übrigen, der es gelingt, ein köstliches alkoholfreies Hefeweizen zu brauen. Drinnen neben Buch + Spiel der Marktladen, der nicht nur im Namen etwas an den Marktladen in Tübingen erinnert, dem angenehmsten mir bekannten Bioladen, da ihm das Kunststück gelingt, das reichhaltige Angebot eines Biosupermarktes zu führen, ohne als solcher zu wirken. (Und selbstredend auch nichts mehr zu tun hat mit den graugesichtigen, penetrant riechenden Bioläden aus alter Zeit …)

Unter Carnivoren und Flexitarieren ist Boeuf de Hohenlohe hipp. Das Fleisch des Hohenloher Weiderinds gibt es neben anderen Bio-Delikatessen wie vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein bei der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall neben dem Marktladen. Das Demeter-Weinsortiment mit Kochbüchern schließlich, in verschwenderischer Raumnutzung, schließt den Reigen ab. Wie die alte Bauernmarkthalle wohl war? Bio war sie auch, aber an einen quirligen Gemüsemarkt auf hartem Depotbeton erinnert hier nichts. Es ist alles sehr adrett und hübsch mit Wohlfühl-Biosiegel. Einer jener Stuttgarter Orte, wo ökologisches Gewissen und die Freiheit vor alltäglichen Geldsorgen eine Ehe eingehen und die Illusion einer schöneren und besseren Welt zaubern.

Als die Stimmung im Café zu betulich wird, steuert der knackige, tätowierte Kellner mit Reggaemusik dagegen. „Ja, wir haben Montag bis Samstag geöffnet“, antwortet er mit entzückendem Akzent. „Heute aber nur bis 18 Uhr. Wir haben Betriebsfeier später, alle zusammen − bis morgen Früh …“

Die Rote habe ich übrigens nicht mehr gesehen. Vielleicht war sie ja doch nicht in die Markthalle gegangen.

Markt am Vogelsang, Stuttgart-West

Pizzaschnitten

Es ist spät geworden auf der Arbeit und ich gönne mir auf dem Heimweg eine Feierabendpizza. Ich gönne mir nicht, sie im Sitzen zu essen, und so spaziere ich nach Hause und stille meinen Hunger aus der offenen Schachtel. Ein Pizzaachtel in der Hand passiere ich Gassigeher, Barbesucher, Wartende an einer Bushaltestelle. Dann stehen vier leichte Mädchen auf dem Gehweg, sie blockieren den Bürgersteig auf ganzer Breite. Sie schauen mich an, sie schauen die Pizzaschachtel an, sie schauen die Pizza an. Und rühren kein Fußbreit. Ich setze schon zu einem Schlenker auf die Straße an, da machen sie im letzten Moment doch noch eine schmale Gasse frei. „Bringst du mir?“, fragt mich eine von ihnen und schaut sich die Pizza aus nächster Nähe noch ein wenig genauer an. Ich lache. „Leider nein“, sage ich und schlüpfe hindurch. Das Kichern der Vier bleibt hinter mir zurück, ich greife nach dem nächsten Pizzastück, Olivenöl und Artischockensaft an den Fingern. Und dann tun mir die Mädels leid. Da stehen sie aufgetakelt in der Kälte und warten darauf, abgeschleppt zu werden, und würden sich wahrscheinlich wirklich freuen, wenn ihnen irgendjemand einfach nur mal ein Stück Pizza brächte.

Halleluja

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Die Massen stürmen in das Gotteshaus, lange Schlangen bilden sich vor den Pforten. So viel Andrang hat die Marienkirche sicherlich schon lange nicht mehr gesehen. (Eine neugierige Frage an die Lokalhistoriker: Hat sie es jemals?) Nicht Tempeldienst lockt die jungen Menschen, versteht sich. Sondern das Duo „Me and My Drummer“ gibt hier und heute auf seiner Tournee ein Freikonzert: die Marienkirche als Eventlocation.

Im späteren 19. Jahrhundert als erste katholische Kirche Stuttgarts nach der Reformation errichtet, wurde sie wie viele andere Kirchen der Stadt im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und beherbergt heute mehrere gotische Kunstwerke als Leihgabe des Württembergischen Landesmuseums. So weit die Fakten.

Andere Dinge springen mehr ins Auge. Das Quartier um den ehrwürdigen Sandsteinbau hat es ein bisschen schwer. Das liegt nicht am Furtbachkrankenhaus − einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie − gleich nebenan. Es liegt schon eher an dem beliebten Drogentreff auf dem Platz vor der Kirche. Es liegt ganz entschieden an der scheußlichen Paulinenbrücke auf der anderen Seite des Vorplatzes: Teil der sogenannten Stadtautobahn, in ihrem „Totraum“ ein nicht minder scheußlicher und permanent nach Urin riechender Parkplatz.

Richten sollen es nun zwei Großbauten: auf der stadtmittigen Seite der Brücke das Gerber, eines von mehreren in Stuttgart derzeit entstehenden und − seien wir ehrlich − völlig überflüssigen Einkaufszentren, auf der anderen Seite das Caleido, ein Büro-, Wohn- und Geschäftshaus, neben dem die Marienkirche zusammenschrumpft. „Hier wächst Stuttgart zusammen“, Werbespruch an der Gerberbaustelle, klingt zumindest ironieverdächtig.

Ob durch das Konzert in der Marienkirche mehr zusammenwächst? An der Tür tut sich nichts mehr, ein Einlass in das Konzert erscheint hoffnungslos. Die jungen Leute auf dem Platz nehmen es gelassen, man hingegen tigert weiter.

Marienkirche, Fangelsbachstraße 20 (Stuttgart-Süd)

JazzJam und Stuttgarts erste Party

Die Fenster des Hinterzimmers sind mit Konzertplakaten abgeklebt, die Bar ist unbesetzt und tot wie ein aufgelassenes Spinnennetz, bedient wird man aus der Gaststube vorne. Einige Spanier, kein Gramm Fett unter den breiten Gürteln, drängen sich hinten um den Billardtisch, vorne auf der Bühne stehen ein paar junge − erschreckend junge − Musiker und spielen Jazz. Es ist wieder einmal JazzJam im Arigato und wir finden Platz gleich hinter der Zwischentür an dem Tisch mit der Spendenbox und dem Ofen im Rücken.

Die meisten Gäste sind deutlich jünger als wir, mittendrin aber sitzt ein älterer Mann − irgendetwas an ihm lässt mich vage an Michael Caine denken − mit Rotwein und Batatas bravas vor sich, die Aufmerksamkeit ganz auf die Bühne gerichtet, ein echter Jazzliebhaber, denke ich. (Aber nein, ein paar Wochen später sitzt er am Hard‘n‘Heavy-Abend an genau demselben Platz, Rotwein und wilde Kartoffeln mit Aioli vor sich und die Augen gen Bühne, als wäre nichts geschehen seither.)

„Probier mal, ist das wirklich ein Radler? Ich schmecke nur Bier“, zweifelt mein Cousin aus München. Ich nehme einen Schluck und schmecke Radler, kein Zweifel. „Wie ist das Radler in München denn?“, spotte ich und frage mich, ob sich unsere Geschmacksgewohnheiten − beide stammen wir aus einem Landstrich, der sich Schwaben nennt und (einst sehr wichtig) doch zu Bayern gehört − durch die Umsiedlung in verschiedene Landeshauptstädte unterschiedlich entwickelt haben.

Die Musik bricht ab, sofort nimmt das harte Klicken vom Billardtisch den Raum ein und das akzentuierte Spanisch der jungen Männer drum herum, eifrig diskutierend, ihre Sprache Tanzpartnerin der Billardklicks. Die Musiker gruppieren sich um, der Boden knarzt, neue Gesichter betreten die Bühne, alle jung, alle männlich. Vermutlich studiert der eine oder andere den Studiengang Jazz/Pop an der Musikhochschule Stuttgart − die Jazzabteilung der Stadt ist nach der Kölns immerhin die zweitälteste Deutschlands −, deren Ende 2013 von der Landesregierung beschlossen worden war, was von der Initiative „Stuttgart braucht Jazz“ vorerst erfolgreich abgewehrt wurde. Ein Glück für die Musikszene der Landeshauptstadt, ein Glück vielleicht auch für diese jungen Musiker dort vorne. Aber warum spielen eigentlich keine Frauen hier? Ja, warum eigentlich nicht?

Die Heizung holpert und wärmt uns an dem Tisch am Eingang und wir erinnern uns an unsere erste Begegnung mit Stuttgart. Damals, als wir noch fast Kinder waren, war die Stadt uns ein fremder Ort, mit dem wir nicht mehr verbanden als mit der Muttermilch aufgesaugte Vorurteile. Ein Onkel von uns wohnte damals hier, er war an den Theaterbühnen tätig, und einmal, zu einer WG-Party, lud er Verwandtschaft ein. Tatsächlich machte sich eine Tante auf den Weg nach Stuttgart, sie packte uns Buben ein und so kamen wir zum ersten mal in diese Stadt. Wo das Haus mit der Party genau lag, haben wir keine Ahnung, auch unser Onkel weiß es nicht mehr, „irgendwo am Hang“ blickte er ratlos umher, als er mich hier besuchte. Von der Party der Schauspieler jedenfalls waren wir Jungen noch überfordert − zu jung, um uns unter den ausgelassenen Erwachsenen zu bewegen, zu jung, um später mitzutanzen. Wir lagen irgendwann oben in einem der Zimmer und versuchten zu schlafen, halb sehnsüchtig lauschend, halb gepeinigt von dem Lärm. Noch heute, stellen wir fest, rufen unsere Erinnerungen an unseren ersten Besuch, unsere erste Party in Stuttgart die gleichen Gefühle wach.

Pause. Wieder erobern die spanischen Worte und das Klickklack den Raum. Ein paar Momente tuscheln die Musiker auf der Bühne, dann ertönt der Ruf „Schlagzeuger!“. Zögern, Zaudern, Füßescharren, dann erbarmt sich endlich ein junger Bursche, als seine Kumpels auf ihn zeigen. Und das nächste Set an Oldschool Jazz wird eröffnet. Der schlanke, empfindsame Tastenspieler hinter dem Yamaha-Keyboard rückt den Schal zurecht, der Besen streichelt das Schlagzeug, gekrümmte Finger tanzen über die Saiten des dunklen Kontrabasses wie die Beine einer balzenden Tarantel, Saxophon und Trompete liefern sich ein Duett aus Klage und Triumph. Alle Nervosität ist längst abgelegt, die Musiker vergessen sich, Solo um Solo rollt ab, die Zeit ist aufgehoben. Es fehlt nur noch der Rauch zur perfekten Illusion, wirbelnde Schwaden unter den stummen Ventilatoren. Und dann würde vielleicht Philip Marlowe dort stehen, in Hut und Anzug, an den Tresen oder an den Türrahmen gelehnt, die melancholischen Augen verschleiert hinter dem Zigarettendunst.

Aber nein, geraucht wird im Hinterzimmer nicht, geraucht wird vorne in der Gaststube. Dort, wo sich Herren mit schulterlangen weißen Haaren um den Kachelofen drängen, junge Leute über ihr Bier hinweg lachen und disputieren und wo an der Türe, eifrig in ein Gespräch vertieft, eine Muslima mit Kopftuch sitzt, Zigarette und Schnaps zur Hand. Das Arigato − ein bisschen Studententum, ein bisschen Nachbarschaft, leicht alternativ und ziemlich bodenständig.

Arigato Music-Club: Kolbstr.2 − 70178 Stuttgart (Haltestelle Marienplatz)

Der JazzJam findet einmal im Monat, üblicherweise am dritten Donnerstag, statt.

Die Initiative „Stuttgart braucht Jazz“ engagiert sich auch nach dem Erhalt des Studiengangs Jazz/Pop für den Jazz in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Damaszener Verbindlichkeiten

Da kaufte ich zwei Fata’irfladen für 20 Lira und stellte fest, dass ich nur einen Tausender bei mir hatte (der größte syrische Geldschein, damals etwa 17 Euro wert). Natürlich konnten die Bäcker nicht herausgeben. „Zahl das nächste Mal“, sagten sie mir. Ich war nicht gerade Stammkunde dort, nur alle ein oder zwei Wochen vielleicht. Das genügte als Vertrauensvorschuss.

Eine französische Freundin vor Ort erzählte mir daraufhin ihre Geschichte. Sie war drei Jahre früher schon einmal in Damaskus gewesen. Am letzten Urlaubstag wollte sie ein Geschenk für ihre Mutter besorgen. Sie fand etwas Passendes, für 1000 Lira – doch da hatte sie nur noch 500 im Geldbeutel. Was machen? „Kein Problem“, winkte der Verkäufer ab. „Nimm es für 500 und zahl die restlichen 500, wenn du irgendwann mal wieder in Damaskus bist.“

Nun, drei Jahre später, war sie in seinen Laden getreten und hatte die fehlenden 500 Lira auf den Tisch gelegt. Der erfreute Händler lud sie daraufhin auf die Hochzeitsfeier einer Verwandten ein.

Gibt es nicht wunderbare Menschen?

(Damaskus 2004)

Eine Definition von …

„Wir haben ab Donnerstag Philosophie,“ sagt die Schülerin zur anderen.

„Was ist das?“

„Reli ohne Gott.“

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„Du willst also sagen, dass, wer Philosophie betreibt, die Trauer wählt?“

Ich runzele die Stirn. Habe ich das wirklich gesagt? „Wenn jemand philosophiert, gibt er währenddessen die Freude auf“, mache ich einen zweiten Versuch, wie immer ein wenig beunruhigt, wenn ich sehr genau definieren muss.

„Dann betreibt er Philosophie auf die falsche Weise“, lacht sie mich aus.