Weihnachten und Neujahr in Damaskus

Ein Blick zehn Jahre zurück – Weihnachten und Neujahr in Damaskus. Ich wünsche allen ein glückliches, lebensfrohes neues Jahr und danke für die (wechselseitige) Lektüre, die Kommentare, den Austausch! Tanzen, immer weitertanzen … (Ja, Murakamis Schafsmann hatte ich auch in dem Monat gelesen, von dem die folgenden Zeilen erzählen.)

Was hatte man mir im Vorfeld nicht alles über Weihnachten in Damaskus erzählt. Wie der Hausherr, der alte Abu Georges, syrischer Christ, selbst zum Kochtopf greifen und die Tage vor dem Fest mit Küchenorgien füllen würde. Wie dann all diese Leckereien an Weihnachten genossen werden dürften. Wie ein Freund des Hausherrn zu Besuch kommen würde, ein ungewöhnlicher Besuch, wie jedes Jahr zu dieser Zeit: ein ehemaliger Offizier, dem Abu Georges viele Jahre beim Militär und zwei Kriege hindurch als Chauffeur gedient hatte; ein muslimischer Herr zudem aus den besseren, konservativen Kreisen der Stadt, gemeinsam mit Frau und Töchtern − zu einem christlichen Fest. Die Frauen mit Kopftuch, natürlich. Wann sieht man sonst im Hause Abu Georges’ schon ein Kopftuch?

Es kam alles anders. Zuerst fing sich Abu Georges eine Grippe ein. Der sonst so rüstige ältere Herr war nur noch ein Häufchen Elend. Als Medizin schlürfte er Arak, den hiesigen Trauben-Anis-Schnaps. Abu Georges trank sonst nie Alkohol. Insgeheim machten wir uns Sorgen, ob er überleben würde. Aber nach wenigen Tagen war er wieder auf den Beinen und erledigte mit seiner Frau Hausarbeiten. Mit noch zitternder Hand und vom Alter geschwächten Augen fädelte er Garn in das Nadelöhr ein und flickte Kissenbezüge.

Doch da stand dann Weihnachten schon unmittelbar vor der Tür. Ich wartete vergebens auf rege Geschäftigkeit in der Küche unten. Ich suchte umsonst nach Anzeichen für Weihnachtsvorbereitungen im Haus, Schmuck und dergleichen. Im ganzen Altstadtviertel von Bab Tuma und darüber hinaus, überall eben, wo arabische Christen wohnten, waren die Häuser mit Lichtern behangen: Lichterketten, Weihnachtsbäume, blinkende Muster und „Happy Christmas“-Spruchbänder. Manche Häuser verwandelten sich in wahre Leuchtgebilde. Zwischen den schmalen Gassen der Altstadt baumelte bunter Weihnachtsschmuck − moderner, amerikanischer Schmuck zwischen den schiefen Wänden einer syrischen Altstadt, Hausmauern, die teilweise älter sind als die amerikanische Unabhängigkeitserklärung in einem Viertel, das selbst Jahrtausende alt ist. (Nur ein paar Ecken weiter kann man das Haus besichtigen, in dem angeblich der Apostel Paulus geheilt worden war, und die Stadtmauer, über die er geflohen ist, liegt nur ein paar Schritte dahinter.) Manche Familien hatten in ihren Stuben einen Weihnachtsbaum mit Kugeln und elektrischen Kerzen aufgestellt. Häufig waren sie nicht. Andere Leute hatten Mistelzweige über ihre Eingangstür gehängt.

Natürlich blinkte und schimmerte es erst recht in den Geschäften. Straßenhändler verkauften Santa-Claus-Mützen. Einmal sah ich einen jungen Mann stundenlang an einer verkehrsreichen Straße stehen, eine solche Mütze mit blinkendem Lichtersaum auf dem Kopf, die Hand mit einem Stapel Mützen den Autofahrern entgegengestreckt. Ich wusste nicht, ob ich ihm ein gutes oder nicht eher ein schlechtes Geschäft wünschen sollte. Abends aus dem Mikrobus heraus entdeckte ich hier und da einen Weihnachtsmann. Einen amerikanischen natürlich, auch wenn er hier einen halbfranzösischen Namen trägt: Baba Noel.

Doch von all dem war nichts im Haus Abu Georges zu spüren. Nicht einmal Gäste waren da, nur eine Tochter mit der Enkelin, die aber beide sowieso hin und wieder hier im Haus waren. Wo blieben die Weihnachtsbesuche? Am Abend setzte ich mich zu dem Ehepaar in die Stube, wie immer mit dem Gefühl, eine lästige Pflichtübung zu erfüllen. „Willkommen, willkommen“, sagte Abu Georges immer wieder zu mir und klopfte mir mit seiner breiten Hand auf das Bein, die Schulter, die Hand. So viel Herzlichkeit war ich nicht von ihm gewohnt. War er etwa gar betrunken? Nein, war er nicht. Er freute sich nur und wollte mir den Weihnachtsabend fern der Heimat angenehm machen. „Du bist zwar weit weg von zu Hause, von deiner Familie“, erklärte er mir. „Aber dafür darfst du diese Weihnachten in der Region verbringen, aus der unser Herr Jesus stammt.“

Dann meldete Umm Georges, dass ein Freund von mir an der Tür stehe: I., ein Mitstudent aus Moldawien war es und ich schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Ich hatte völlig vergessen, dass wir uns vor ein paar Tagen zu einem Weihnachtsessen verabredet hatten. Er wollte ein Grillhähnchen mitbringen, ich würde Salate dazu machen. Ich hatte immer an den 25. Dezember gedacht, merkwürdig vielleicht, aber am Institut war immer nur von diesem Tag als Weihnachten gesprochen worden. I. war selbstverständlich vom 24. ausgegangen. Da stand ich nun recht betreten da. Natürlich hatte ich nichts vorbereitet, keine Salate gemacht, und war zudem für den Abend noch mit anderen Freunden verabredet. Mir war es höchst peinlich, aber I. nahm es bewundernswert gelassen. „Macht nichts, macht nichts“, sagte er und ging einfach wieder, die Tüte mit dem Grillhähnchen in der Hand. Einem einsamen Weihnachtsabend entgegen, fürchtete ich und überlegte, ihn zurückzurufen, doch da war er schon weg.

Acht Uhr abends, Zeit, allmählich aufzubrechen. Ich ging in mein Zimmer hoch, um mich umziehen, öffnete die Tür und stand in einer Rauchwolke. Ich hatte nasse Socken auf den Dieselofen gelegt und dort vergessen. Es war nicht mehr von ihnen übrig als flockige Asche. Und beißender Rauch, der das ganze Zimmer ausfüllte. Ich ließ das Fenster zur Gasse offen und hoffte, dass der Rauch schnell abziehen würde, bevor ich den Hausbesitzern das Missgeschick erklären müsste. Es würde eine kalte Nacht in meinem Zimmer werden, dachte ich, als ich das Haus verließ.

Mit meinem Mitbewohner ging ich in ein Internet-Café. Es war eine bizarre Situation. Wir waren die einzigen Kunden. Auf den Bildschirmen der anderen Computer lief eine – wohl ungewollt – unheimliche Szenerie als Bildschirmschoner ab, ein winterliches Abendbild mit wandelndem Schneemann und Lichtern und Geschenken. Der Schneemann aber wirkte auf mich wie eine schreckliche Parodie, eine Horrorgestalt. Stephen King hätte ihn nicht schauriger gestalten können. Es lief alte amerikanische Weihnachtsmusik in dem Internetcafé, Frank Sinatra, ganz unpassend für diese Stadt und diesen Ort, aber irgendwie auch schön und ich geriet kurz in eine rührselige Stimmung. Meine ersten Weihnachten, die ich nicht in meiner Heimatregion verbringen würde.

Ich war anschließend mit zwei Freunden A. und D. verabredet, Kommilitonen aus der Türkei. Sie waren nicht die einzigen Muslime, die sich einmal Weihnachten anschauen wollten. Wir trafen unterwegs zufällig auf zwei syrische Freunde, die ebenfalls im Christenviertel flanieren waren. Es war ungeheuerlich viel los auf den Straßen. Die Geschäfte waren noch geöffnet, Santa Claus-Gestalten lockten Kinder und Kunden an (vor einem Geschäft spielten zwei von ihnen Trompetenstücke), die Gehwege waren von Straßenverkäufern (manche von ihnen russische Frauen) belegt, die Ramschware verkauften. Viele, viele Lichter brannten, manche Kinder und auch Erwachsene hatten rot-weiße Mützen auf. Ein Umzug zog vorüber, kostümierte Gestalten, der Tod, eine Art tanzende Hexe, ein Trommler, dahinter Halbstarke, die johlend dem Schauspiel hinterherzogen. Es war ein großer Trubel und einer meiner beiden türkischen Freunde stürzte sich wie ein Kind auf jedes Schauspiel, er lachte frei und unbeschwert, man merkte, alles war neu für ihn. Zu sehen gab es wirklich etwas, nicht zuletzt auch, weil viele Mädchen ihr „Festtagsgewand“ trugen, kurze Röcke und hohe Stiefel, die so gar nicht zum sonstigen Straßenbild von Damaskus passen wollten. In der deutschen Stadt, in der ich studiert hatte, sah man an einem Sommertag weniger kurze Röcke als hier an den kalten Weihnachtsfeiertagen. Ich wunderte mich, dass die sonst so sittenstrengen syrischen Eltern ihre Töchter gewähren ließen.

Vor einer Kirche, in der gerade die Weihnachtsmesse gefeiert wurde, machten wir halt und berieten, ob wir hineingehen sollten. D. war noch nie in einer Kirche gewesen und sehr aufgeregt und wiederholte später immer wieder: „Das ist das erste Mal, dass ich in einer Kirche bin!“ Ich konnte es ihm gut nachempfinden, wenn ich mich an meinen ersten Moscheebesuch wenige Wochen zuvor erinnerte und selbst hier in dieser fremden Kirche fühlte auch ich mich ein wenig unsicher. In einem Nebeneingang betrachteten wir zuerst eine Weihnachtskrippe und ich hatte meinen Begleitern ihre Bedeutung zu erklären. Eine hübsche junge Frau, auch sie mit kurzem Rock und in hohen Stiefeln, übernahm dann die Erklärung, weil mein Arabisch stockte. Wir unterhielten uns ein bisschen mit ihr und bekamen wie die Gottesdienstbesucher einen Aufkleber an die Jacken geheftet: Nun trugen wir also ein Emblem der syrisch-orthodoxen Kirche. Misstrauisch betrachtete D. den Aufkleber an seiner Jacke. Von einer Balustrade aus folgten wir einige Minuten der Weihnachtsmesse. Angenehm lag der Weihrauch in der Luft und der Kirchenchor sang schwere, ruhige, melodiearme, aber keineswegs eintönige Musik, die völlig anders war als alles, was ich bisher in Kirchen gehört hatte. Eine beinahe archaische, doch ansprechende Musik.

Wieder vor der Kirche unterhielt ich mich noch einmal mit der jungen Frau. Wir wechselten ins Englische, das sie überraschend gut sprach, sie genoss es ganz offensichtlich, ihre Sprachkenntnisse unter Beweis zu stellen und mit einem Ausländer zu plaudern, während die anderen unbeteiligt um uns standen. Etwas scheinheilig fragte ich sie, ob sie alle – ein Nicken mit dem Kopf um die ganzen jungen Leute herum, natürlich meinte ich nur sie selbst – aus diesem Viertel seien. Nein, nicht ganz, lachte das Mädchen und nannte ein Nachbarviertel, eine Straße, deren Namen ich, kaum vernommen, schon wieder vergessen hatte. Die jungen Burschen links und rechts hatten während des Gesprächs blanke Gesichter aufgesetzt, unbewegte Mienen, wie sie so typisch sind für diesen Überwachungsstaat, doch spürte ich regelrecht, wie sie ihre Ohren spitzten und die trägen Blicke in Wahrheit Beobachterblicke waren. Ich war mir sicher, dass alles, was hier geschah und gesprochen wurde, weitergegeben würde und ich vorsichtig sein musste, wollte ich das Mädchen nicht vor ihrer Familie, gar ihrer Gemeinde bloßstellen. Da trat A. an mich heran und meinte: „Komm jetzt, lass uns mal langsam weitergehen.“ Ich blickte das lachende Mädchen an, die stumme Aufmerksamkeit der Burschen rundherum und beugte mich achselzuckend.

Zuerst hatte ich vorgehabt, mit der Hausherrin in den Nachtgottesdienst der (mit Rom unierten) syrisch-katholischen Kirche zu gehen. Abu Georges − obgleich religiös − verweigerte hingegen dieses Jahr selbst den weihnachtlichen Kirchgang. Die Gründe waren mir nicht ganz klar: Von seiner Verachtung gegenüber den Pfaffen war die Rede, es sollte wohl aber auch ein noch ungelöster Rechtsstreit eine Rolle spielen – und die Furcht vor Einbrechern, die die Gunst der Stunde hätten nutzen können. Etwas verspätet kam ich in der Kirche an, verließ sie aber nach fünf Minuten schon wieder, weil es mir langweilig war. Ziellos streunte ich noch ein Weilchen durch die Straßen Bab Tumas und begegnete in dem Dreieck zwischen der römisch-katholischen, der armenischen und der syrisch-orthodoxen Kirche einigen polnischen Kommilitoninnen, die den griechisch-orthodoxen Gottesdienst besuchen wollten. Über mangelnde Auswahl kann mir hier also wirklich nicht klagen: Etwa zehn verschiedene christliche Konfessionen gibt es hier in Syrien. Jemandem, der aus seiner Heimat kaum mehr als Katholiken und (und auch das erst seit der Gymnasialzeit) Protestanten als etablierte Kirchen kennt, erscheint das zuerst verwunderlich.

Am nächsten Tag ging ich – ausnahmsweise einmal beschwingt – zu dem Ehepaar hinunter, um das Morgenritual durchzuführen und einen Kaffee, der mir nicht schmeckte, mit ihnen zu trinken. Kaum dass ich saß, kam ein Anruf: Abu Georges’ Schwester war in der Nacht gestorben. Sofort machte sich das Ehepaar ans Packen. Es bat meinen Mitbewohner und mich, für die Beerdigung gleich die nächste Miete vorzuschießen. Eine halbe Stunde später war das Paar weg und würde frühestens in einer Woche aus dem Dorf zurückkommen.

Am Vormittag zog ein Umzug durch das Viertel. Pfadfinder marschierten musizierend durch die Gassen. Mir missfiel das Paramilitärische an dem Umzug. Das Wetter war schön und so setzte ich mich auf eine der wenigen Bänke, die es im Viertel gibt und las. Abends erwartete ich I., doch er kam nicht. Mit meinem Mitbewohner ging ich schließlich ins Internet-Cafe, hinterließ aber sicherheitshalber einen Zettel, den ich unter den Türklopfer klemmte, dass ich bald zurück sei. So bald war es dann aber doch nicht und als wir zurückkamen, war der Zettel weg und ich fürchtete, I. bereits ein zweites Mal versetzt zu haben. Und möglicherweise hatte er nun ein zweites Mal ein Grillhähnchen gekauft. Ich kam mir mies vor. So aßen mein Mitbewohner und ich allein die Salate, die ich gemacht hatte. Es war ein leckeres und angenehmes Weihnachtsessen, nur zuviel für zwei Personen.

In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir Unterricht. Ich machte mich darauf gefasst, I. gegenüber eine dicke Entschuldigung anbringen zu müssen, aber als ich ihn erst in der Mitte der Woche wieder am Institut sah, meinte er lächelnd: „Du hattest Glück, dass es am 24. nicht geklappt hatte. Ich hatte das Hähnchen allein gegessen und war bis gestern krank davon, weil es wohl schlecht gewesen war.“ Deswegen war er auch am 25. nicht mehr aufgetaucht und den Zettel von der Tür hatte gewiss irgendein Neugieriger mitgehen lassen.

Am letzten Tag des Jahres sollte es nach der Pause ein kleines Fest am Sprachinstitut geben. Es wurde eine lächerliche Angelegenheit. Wir saßen auf billigen, weißen Plastikstühlen an billigen, weißen Plastiktischen und verzehrten die Speisen eines bescheidenen Büfetts. Kaum hatten wir gegessen, löste sich die ganze Versammlung auf.

Am frühen Abend besuchte ich spanische Freunde in einem anderen Stadtviertel. Es war noch mehr los auf den Straßen als sonst. Vor einer Wache wurden Polizisten „verladen“. Dicht gedrängt standen auf der Ladefläche eines Laster junge Polizisten in ihren braungrünen Uniformen und den breiten Mützen und dem Schnurrbart im Gesicht. Die Ladefläche war von einem Lattenaufbau umgeben und gerade schloss jemand die hinteren Planken. Es war ein befremdender Anblick: Vieh hätte man nicht anders verladen. Wurden die Polizisten alle wegen Silvester an Einsatzorte verfrachtet?

Gegen 22 Uhr verließ ich das spanische Pärchen. Ich schlotterte vor Kälte, als ich auf den Mikrobus hinab in die Stadt wartete. In meinem Viertel wimmelte es von Uniformierten. Überall waren Polizisten. Beinahe an jeder Ecke standen ein, zwei, drei Uniformierte. Wovor hatten sie Angst? Sollte diese starke Präsenz einfach schon vornherein auch nur jeden Ansatz von Randale vereiteln?

Trommeln waren in den Straßen zu hören und schließlich bekam ich auch die Urheber zu Gesicht: Ein paar verkleidete Kinder und Jugendliche, ein Weihnachtsmann, ein unheimlicher Trommler, die anderen hatten Masken vor den Gesichtern. Aus manchen Häusern kam laute Musik, Discolärm. Planlos lief ich ein bisschen umher. Ich hatte keinerlei Programm für den Abend. Es gab eine große Party von Mitstudenten, aber ich hatte nicht die geringste Lust, betrunkene, ausgelassene Ausländer zu sehen. Auch die Alternative, mit meinem Tunesier und seinen Freunden herumzulaufen, hatte sich zerschlagen, weil ich ihn an dem Tag nicht mehr erreicht hatte. (Auch viele Muslime feiern dieses Neujahrsfest, das sich ja nach dem christlichen Kalender richtet.)

Dann war es Mitternacht. Einige Kracher knallten in den engen Gassen. Alles in allem war aber erstaunlich wenig an Feuerwerk zu sehen und zu hören. Weil die Menschen kein Geld dafür haben? Später erfuhr ich den wahren Grund: Silvesterkracher und -raketen waren in Syrien verboten, so sagte man mir. Manche ließen es sich aber angeblich nicht nehmen, ein Gewehr unter dem Bett hervorzukramen und einige Schüsse in den Nachthimmel zu jagen, bevor sie die Waffe für ein Jahr wieder einwickelten. Wahrscheinlich war das eher eine Sitte auf den Dörfern. Hier im Viertel hatte ich jedenfalls keine Gewehrschüsse gehört.

Die Menge auf dem Platz verhielt sich zum Jahreswechsel ruhig. Die meisten standen einfach herum und schwatzten, ohne Feuerwerk, ohne Alkohol, ohne hysterischer Ausgelassenheit. Die einzigen, die sich zum neuen Jahr umarmten, waren ein paar Europäer. Mir waren diese erzwungenen, kollektiven Silvesterumarmungen schon immer zuwider gewesen und ich war froh, ihnen dieses Jahr entkommen zu sein. Araber tauschen stattdessen Wangenküsschen aus und ich hatte zu Weihnachten und Neujahr zum ersten Mal selbst an diesem Ritual teilgenommen, als Mann mit Männern natürlich, nicht mit den arabisch-muslimischen Frauen (mit meinen türkischen Kommilitoninnen hingegen durchaus).

Es war kalt und viel zu sehen gab es nicht. Ich ging in das dunkle, leere Haus zurück und war ganz allein, erleichtert, aber auch unzufrieden. Ich hasste Silvester. Ich hatte es schon immer gehasst. Das Jahr 2004 war angebrochen.

P.S. Heute las ich auf facebook von einem syrischen Freund, der mich damals am Euphrat großherzig als Gast aufgenommen hatte, später in die Golfstaaten zog und im immer noch so hoffnungslos andauernden syrischen Bürgerkrieg Familienangehörige durch die Truppen Asads verloren hatte, dass er in Syrien sei. Ich wünsche ihm, dass er möglichst viele seiner Verwandten lebend antrifft, selbst heil wieder zu seiner eigenen Familie an den Golf zurückkehrt und das ganze Land bald Frieden finden wird. Wie das, das Letzte, allerdings geschehen soll, weiß ich selbst nicht. Haben wir es hier in Mitteleuropa gut …

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„Von Heimat kann man hier nicht sprechen“ – 13 musikalische Grüße aus der Wohnstadt Stuttgart

a2256488481_2Das Cover kann man als Pose abtun, als billiges Spiel mit der Gewalt. Mir gefällt es, aber ich hatte auch auf einem Wanderurlaub in Norfolk eine ganze Fotoserie toter Tiere – Trail of Dead – gemacht.

„Von Heimat kann man hier nicht sprechen“ – unter diesem Motto veröffentlichten 13, nein halt, 12 Bands aus dem Stuttgarter Raum einen Sampler. Exklusiv auf Vinyl (und als Download), in einer 500er-Auflage. Heute war die Release-Party mit Konzerten bei Ratzer Records und bei Second Hand Records. Wer nicht so lange warten wollte, konnte sich die Platte bereits vorab auf dem ESxSW-Festival in Esslingen (oder ganz einfach bei den genannten Plattenhandlungen) besorgen.

Punk, Postpunk, Noiserock, Psychedelic – zwischen diesen Genren wandern die musikalischen Grüße aus Stuttgart: Human Abfall, Levin Goes Lightly, Die Nerven, Karies, Blunt Knives, Melvin Raclette, All diese Gewalt, Wolf Mountains, JFR Moon, Mosquito Ego, Jamhed, Peter Muffin haben ein schwungvolles Repertoire musikalischen Schaffens abseits des wohlbekannten Stuttgarter Sprechgesangs zusammengetragen.

Leider ist ein Wort im vorigen Satz gelogen. Welches? Beginnen wir damit: Der Aufnahmesound ist sehr flach, die Spitzen nach oben und unten sind gekappt. Manchmal kann auch das Ausdrucksmittel sein. Hier korrespondiert die eindimensionale Aufnahme mit den Inhalten. Vieles dürfte ein jungwilder Sampler aus dem Stuttgarter Kessel: mitreißen, verzücken, rocken oder meinetwegen auch einfach schockieren, wie ein in ein Handtuch eingewickeltes Stück Seife dem Zuhörer links und rechts um den Kopf fliegen. Stattdessen legt sich das Handtuch einfach auf den Kopf, da liegt die Seife und tut recht wenig. Am ehesten noch einen Ausdruck zu transportieren scheint mir JFR Moon mit dem Song „Modern Ships“. Insgesamt gebricht es an der mangelnden Authentizität, der Scheibe fehlt es (ich gestehe, jetzt zitiere ich einen Mithörer) an Gesinnung.

Und was haben die Songs mit Stuttgart zu tun? Musikalisch nichts. Nicht mehr, als dass die Bands aus dieser Stadt stammen. Aber selbst das lässt sich nur mittelbar erschließen, denn auf der Plattenhülle fehlen über Band- und Songnamen hinaus Informationen – wer spielt was, wo wurde aufgenommen. Eine Platte wie hingeworfen, bezugslos oder um es anders zu sagen: heimatlos. „Von Heimat kann man nicht sprechen“ – sehr wahr, aber das ist kein konzeptionelles überzeugendes Gemeinsame. Das ist das Versagen des Samplers.

Von Heimat kann man nicht sprechen. 13 musikalische Grüße aus der Wohnstadt Stuttgart. Offizieller Vinyl-Release 20.12.2013

Fluchgeister, Kurbaddamen

In die Arbeit versunken, könnte man das Krakeelen für Kinderschreie halten. Wer sich doch ablenken lässt, wird beim ersten Mal um Orientierung kämpfen. Zu hart, zu gellend sind die Schreie, um menschlich zu sein, sie ähneln überhaupts nichts, was man üblicherweise in Mitteleuropa zu hören bekommt. Und dann flattern ein paar leuchtend grüne Vögel quer durchs Bild und mit ihnen wandern die spitzen Rufe. Es sind Papageien in Bad Cannstatt – die einzige frei lebende Population an Gelbkopfamazonen außerhalb Amerikas.

Heute Morgen sitzen sie wieder zur Futtersuche versammelt in den kahlen Platanen, sie schreien im Dämmerlicht den Tag herbei, schreien gegen die frostige Kälte an. Wie Fluchgeister hallen ihre Rufe zwischen den Häuserschluchten, über den brummenden Motoren auf Teer, dem prasselnden Rollen von Gummi auf Kopfsteinpflaster. Ihr Grün ist noch kaum zu erahnen um diese Stunde, anders als das Rot und Weiß der Ziegelsteinwände und Jugendstilsimse links und rechts der über ein Jahrhundert alten Stuttgarter Fassaden. Hundert Jahre, so alt können auch diese Papageien werden. Mitte der Achtzigerjahre sind sie zum ersten Mal aufgetaucht in Stuttgart. Diese Krakeeler dort oben in den Ästen lärmen vielleicht noch, wenn ich längst nicht mehr bin.

Einer Krähe gegenüber reicht das Geschrei. Sie setzt einen dreifachen Ruf dagegen, ordinär, rau, gehässig. „Ruhe da drüben!“, wie ein aufgebrachter Nachbar, der sich in Unterhemd aus dem Dachfenster beugt und Worte nach den Grüngefiederten wirft. Die Papageien kümmern sich nicht darum, sie gellen weiter. Nicht mehr Fluchgeister des werdenden Tages scheinen sie mir. Sondern aufgeplusterte, dicke Kurbaddamen mit Sonnenschirm, die ihre bunten Sommerkleider raffen und beim Eintauchen ihrer Zehen in das Wasser spitze Schreie ausstoßen, wortreich, theatralisch, überzeichnet. Die Krähe hingegen ist, was sie ist.

Mehr über die Cannstatter Gelbkopfamazonen gibt es in der Stuttgarter Zeitung zu lesen.

Inselmonologe – Carola Saavedra, „Landschaft mit Dromedar“

9783406647093_cover_SaavedraÉrika, eine Künstlerin in ihrer ersten Lebenshälfte, flieht auf eine namenlose Atlantikinsel, mutmaßlich eine der Kanaren. Sie flieht vor einer Dreiecksbeziehung mit ihrem erfolgreicheren Künstlerkollegen und Liebhaber Alex und dessen Schülerin Karen. Oder besser gesagt, sie flieht vor dem Scheitern ebendieser Beziehung durch den Krebstod Karens. Das Sterben dieser jungen Frau hatte Érika noch kaltherzig zu verdrängen versucht. Der Tod und das Vakuum, das er nicht zuletzt in der Partnerschaft hinterließ, konnte sie nicht mehr verdrängen. In der relativen Zurückgezogenheit der Insel versucht die Künstlerin nun in imaginären Gesprächen mit Alex, brennende und zu lange unterdrückte Fragen für sich zu beantworten. Was als Kunstprojekt beginnt – Tonaufnahmen von Wellen, Wind, den Inselgeräuschen – gewinnt so schnell den Charakter einer Rechenschaft vor sich selbst, für die „Alex“ nur ein Spiegel darstellt. Es sind Fragen nach der Autonomie des Ichs; nach Érikas Selbstverständnis als Mensch, Frau, Partnerin und Künstlerin; nach ihrer Beziehung zu Alex; zum Wesen der Kunst und dem Schöpfungsprozess; zu Leben und Tod. Dass Érika ihre Aufnahmen, wiewohl bis zuletzt Alex immer angesprochen und ins Gespräch einbezogen wird, nie abschickt, ist da nur folgerichtig.

Diese in Schrift gegossene Tonaufnahmen geben dem Roman seine eigene Form. Die birgt allerdings, gleich in mehrfacher Hinsicht, auch Schwächen. Das beginnt auf der materiellen Ebene der Typographie. Dass Absätze, in denen nicht Érika spricht, sondern Hintergrundgeräusche zum Tragen kommen, in einer Grotesken gedruckt sind, die ästhetisch nicht mit der Grundschrift des Buches harmonisiert (und zudem noch in einer Graustufe gehalten ist), erscheint mir nicht nur als eine unnötige Spielerei, sondern als eine typographische Sünde. (Bin ich da Purist?) Ganz inkonsequent ist dabei auch, dass kurze Einsprengsel von Geräuschen und Handlungen im Hintergrund kursiv und in Klammern in die Grundschrift der Monologe eingebettet sind. Kursivierung wäre auch für die genannten Absätze die einfachere und naheliegendere Wahl gewesen.

Auch für den Erzählfluss erweisen sich diese Absätze als ein gescheitertes Experiment. Sie durchbrechen die Rede der Protagonistin, ohne im Gegenzug allerdings irgendetwas zu bieten. Oft genug erhält dieser vorgeblich dokumentarische Charakter daher eine gekünstelte, unglaubwürdige Note. Besser hätte die Autorin ganz darauf verzichtet.

Gerettet wäre der Roman damit allerdings nicht, denn die Schwächen – kommen wir über Umwege zu des Pudels Kern – betreffen auch die Monologe selbst. Hatte ich je zuvor ein Buch mit so vielen aneinandergereihten Fragen vor Augen? Fragen, die oft nur vordergründig tiefsinnig, eigentlich einfach banal sind und – das Todesurteil – nichts bewirken. Zwischen diesen Fragen und der Entwicklung der Protagonistin klafft eine Lücke auf und auch die Begegnungen mit Personen, die im Laufe des Romans neu ins Spiel kommen, tragen wenig zu einer organischen Entwicklung bei: Érikas Gastgeber, das Galeristenehepaar Vanessa und Bruno, die einheimische Haushälterin Pilar, der Arzt Adrian, der die Möglichkeit einer neuen Liebe, eines neuen Lebensentwurfes in den Raum stellt – sie wirken bisweilen wie in den Raum geworfen und so sind erscheinen auch Érikas Reaktionen. Die Entwicklung der Hauptfigur bleiben nur aneinandergereihte Etappen, es gelingt Saavedra nicht, sie zu einer glaubwürdigen Linie zusammenführen. Beim Lesen von „Landschaft mit Dromedar“ hat man eine Autorin vor Augen, die konstruiert – nicht eine Geschichte, die abläuft, die sich erzählt.

Carola Saavedra, 1973 in Santiago de Chile geboren und seit ihrem dritten Lebensjahr in Brasilien verwurzelt, gehört zu den aufstrebenden jungen Autorinnen Brasiliens. Mehrfach wurde sie mit Preisen ausgezeichnet, so auch für ihren dritten Roman „Landschaft mit Dromedar“. Und das culturmag ist geradezu euphorisch über „die Entdeckung des Jahres“. Vielleicht habe ich ja etwas ganz Entscheidendes an diesem Roman nicht begriffen. Denn für mich war es das langweiligste, ja ärgerlichste Buch, das ich dieses Jahr bis zum Ende gelesen habe. Keine Entdeckung des Jahres, sondern ein großer Reinfall der diesjährigen Frankfurter Buchmesse.

Und die Dromedare? Spielen nur eine Nebenrolle. Bleibt zu hoffen, dass sich C.H. Beck nicht inzwischen darauf versteift hat, Belletristik mit Kamelen als misslungenen Metaphern zu verlegen.

Carola Saavedra, Landschaft mit Dromedar. Roman. Aus dem Portugiesischen von Maria Hummitzsch. (Originaltitel: Paisagem com dromedário, 2010). 174 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag oder als E-Book. © C.H. Beck, München 2013.

In einen Buchenstab geritzt, irgendetwas über Heimat

Nein, es ist keine Natter

Da stutzte ich, als ich das Stück Holz vor meiner Tür fand, ein kurzer Buchenstab, von jemandem mit Bedacht dort abgelegt. Was war das, wie ging man damit um? Merkwürdige Bilder stolperten durch den Kopf: der Drang, das Stöckchen auf allen Vieren zu apportieren; ein Misstrauen, es könnte sich irgendwie als hinterlistige Giftnatter entpuppen; Erinnerungen an vor Zeiten aufgeschnappte altertümliche Erbsitten („Der Speer entgleitet meiner schwachen Hand. Sohn, nimm du ihn auf und führe ihn weiter“). Alles Unsinn natürlich, es ist nichts weiter als mein erstes Bloggerstöckchen, zugeworfen von der lieben Xeniana („Familienbande“). Die eingeritzten Fragen hatte sie dem hochverehrten Max Frisch abgerungen. Also her damit, Herr Frisch! Und herzlichen Dank für die Ehre, Xeniana!

1.Wenn Sie sich in der Fremde aufhalten und Landsleute treffen: Befällt Sie dann Heimweh oder dann gerade nicht?

Es gab da einen Familienurlaub – in dem Sommer, in dem ich schwimmen lernte –, da begegneten wir auf einem Abendspaziergang ein paar Menschen, die etwas taten, was nicht gefiel. Voller Abscheu sagte meine Mutter „und wahrscheinlich sind es auch noch Deutsche“. Sie waren es. Was man von der Situation (und nicht zuletzt der Reaktion meiner Mutter) auch immer halten mag, es war für mich sicherlich die Wurzel für ein gewisses Fremdschämen für die eigenen Landsleute. Manchmal waren mir Begegnungen in der Fremde auch dann lästig, wenn es ganz und gar keinen Grund gab, sich für das Verhalten der Landsleute zu schämen. Vermutlich, weil das Vertraute den Zauber der Fremde – und den selbstgestrickten Mythos der eigenen Rolle in dieser Fremde – zu zerstören drohte. Aber eigentlich ist die Sache mit dem Heimweh viel einfacher: Je weniger ich die Sprache des Gastlandes beherrsche, desto mehr weckt eine Stimme in der vertrauten Muttersprache Heimweh.

2.Was lieben Sie an Ihrer Heimat besonders:

a die Landschaft?

c.das Brauchtum?

Was (und wo) ist denn b?

Nun muss ich erst einmal darüber nachdenken, was Heimat für mich ist. Ein Versuch: Eine Landschaft (geographisch wie kulturell), in der ich seit rund 20 Jahren nicht mehr lebe, die ich aus familiären Gründen gelegentlich und gerne bereise und mindestens so gerne wieder verlasse. Alles, was später kam, ist Heimstatt geworden, aber nicht Heimat.

Heimat, zweiter Versuch: Ein Gruß, der auch dort, wo er herkommt, längst nicht von allen verwendet wird, und der dort, wo ich wohne, unbekannt ist. Wenn ich ihn doch einmal hier oder an anderen Orten, wo er nicht zu erwarten ist, höre, zaubert sich – schneller als ein Gedanke – ein Lächeln in mein Gesicht. Diese Heimat vermisse ich (auch wenn ich mich einst, damals noch „zuhause“, lange dagegen gesträubt hatte) sehr.

Heimat, dritter Versuch, augenzwinkernd: Nach einem fürchterlich langen Tag auf der Straße komme ich spätabends in einer Gaststätte irgendwo im Grenzgebiet zwischen Ober- und Niederösterreich an, ein paar Hundert Kilometer von meinem Heimatort entfernt. Der Wirt grüßt und fragt: „Magst’ ein Bier?“ „Gern“, antworte ich nur. Und der Wirt stellt ein Weißbier vor mich hin. Ich grinse und denke mir: „Dahoim, das ist dort, wo man auf die Frage nach einem Bier ein Weizen hingestellt bekommt.“

3. Welche Speisen essen Sie aus Heimweh und fühlen sich dadurch in der Welt geborgener?

Beim Essen hatte ich immer schon Fernweh, nicht Heimweh. Küchen, die weit entfernt liegen von der heimischen, haben mich nicht nur gelockt, sondern sie lassen mich auch längst geborgen fühlen. In der Küche ist mir Kreuzkümmel etwa Heimat, ganz gewiss nicht der Schnittlauch, den es früher bei uns zuhause in jedem Garten gab.

Trotzdem gibt es zwei ‚klassische’ Gerichte, die mir ganz für Heimat stehen: Zum einen Krautkrapfen. Salzig-fetttriefender Himmel auf Erden. Ich esse sie grundsätzlich (und meist als einziger am Tisch) nur mit den Fingern, so sehr Heimat sind sie. Gabel und Messer würden alles zunichte machen. Und der Kartoffelsalat (ohne Mayonnaise, mit Paprika, Oliven, Knoblauch, Gürkchen) meines Vaters zu gebackenem Käse (panierten Hartkäsescheiben), eine gewisse Zeitlang das traditionelle Essen zu einem wichtigen Jahresfest. Und dann wäre da natürlich noch etwas zu deutschem Brot zu sagen, aber das wird eine andere Geschichte.

4. Wieviel Heimat brauchen Sie?

Eine Tür, die ich hinter mir schließen kann. Vertraute Menschen, wenn ich die Tür wieder öffne. Eine gemeinsame Sprache mit meiner Umwelt.

5. Was macht Sie heimatlos?

Keine gemeinsame Sprache zu finden.

6. Was fürchten Sie mehr: das Urteil von einem Freund oder das Urteil von Feinden?

Feinde? Ich fürchte das Urteil Fernstehender mehr als das Nahestehender. Ich suche das Urteil Letzterer und im schlimmsten Falle wird es wütende Abwehr hervorrufen – eine Energie, die Bewegung und damit Entwicklung erlaubt. Das Urteil Fernstehender kann mich leichter entmutigen und mir die Dynamik rauben. Das ist dann Stillstand. Ach, oder ist es doch ganz anders?

7. Gibt es Freundschaft ohne Affinität im Humor?

Ja. – Dieses kurze Wort hat mich einiges an Zeit gekostet.

Das Holz wandert weiter

Wem kann man ein Stöckchen weitergeben, ohne lästig zu werden? Ich versuche es einmal mit Danares.mag und Paintblotch. Eigentlich würde ich es gerne auch an Essays & Other Writings weitergeben, aber im Augenblick bin ich zu faul, es ins Englische zu übersetzen. Es sei aber jedem und jeder freigestellt, auch unaufgefordert das Stöckchen zu schnappen – vielleicht ist es ja irgendwo vom Wege abgekommen.

Und das ist ins Stöckchen eingeritzt:

1. Was war an deiner Kindheit einzigartig?

2. Was lässt dich jeden Morgen aufstehen?

3. Glücklich macht dich …

4. Du hasst …

5. Wenn du ein Naturphänomen wärst, wärst du …

6. Wen oder was zitierst du am häufigsten?

7. Die Welt geht unter und du hast in deiner Tasche noch Platz für ein Musikalbum, das du mit auf den Mond nehmen kannst. Was wählst du?

8. Und welche zehn Lebensmittel mit auf die Insel?

9. Ein großartiges Kunstwerk ist …

10. Ein Spiel: Stell dir vor, du lebst im alten Mesopotamien. Dir wird während einer mehrtätigen Abwesenheit die Holztür deines Hauses gestohlen – in den baumarmen Ebenen dummerweise der teuerste Einrichtungsgegenstand deines Hauses! Du hast deinen missgünstigen Nachbarn im Verdacht, aber es fehlen dir die handfesten Beweise. Was tust du?

a) Du gibst dir keine Blöße, tust alles mit einem Schulterzucken ab und kaufst dir eine neue Tür aus importiertem Zedernholz.

b) Du trittst vor den Nachbarn, forderst lautstark Wiedergutmachung und vertraust auf die Gewandheit deiner Zunge oder im schlimmsten Falle die deiner Fäuste.

c) Du gehst schnurstracks zum Richter und erstattest auch ohne ernsthaften Beweis Anzeige gegen den Nachbarn.

d) Du opferst im Tempel eine Taube für gutes Gelingen deiner perfiden Rache und lässt dann ein paar Kontakte im Handelsviertel spielen. Die nötigen Schmiergelder sind es dir vollkommen wert: Den Nachbarn wirst du ganz langsam finanziell ausbluten lassen …

11. Bruce Willis oder Michael Douglas?