Krzysztof Penderecki – Ein runder Geburtstag und Avantgarde bei „Musik am 13.“

Heute feiert der bedeutende polnische Komponist Krzysztof Penderecki seinen 80. Geburtstag. Gelegenheit für einen Rückblick auf eine Begegnung im Sommer 2012.

Nicht nur Liebhaber der postseriellen Avantgarde kennen ihn, sondern auch Kinogänger: „Der Exorzist“, „Shining“, „Children of Men“, „Shutter Island“ … Seit Jahrzehnten findet die Musik des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki auch den Weg in den Film. Zur Veranstaltung „Musik am 13.“ gab sich der Meister die Ehre zum Komponistengespräch in der Stadtkirche von Bad Cannstatt, umrahmt von einem musikalischen Querschnitt seines Schaffens. Für das Gespräch – Penderecki spricht hervorragend deutsch – wich die ehrwürdige Veranstaltungsreihe zum ersten Mal von ihrer ehernen Regel ab und verlegte den Termin auf den 12. des Monats.

Gänsehaut pur gleich bei seinem „Stabat Mater“ für gemischten Chor, der mit der Polyphonie des 16. Jahrhunderts spielt und dann – ausgerechnet in der einzigen in ihrer Bausubstanz erhaltenen gotischen Kirche Stuttgarts – in atonaler Schrille die alte Weltordnung zerbersten lässt und uns jämmerlich zitternd vor der Kälte des Alls zurücklässt – herrlich. Obwohl (ich bekenne) alle, die anders als ich Ahnung haben von der Sache, mir widersprechen würden: der Komponist, weil bekennender Katholik, und die Kritiker (wie im Komponistengespräch diskutiert wurde), weil der Chor auf einen Jahre lang heftig umstrittenen D-Dur-Dreiklang („Hoffnung, Hoffnung!“) endet …

Und nach einem Streichquartett spielt ein Tonband die „Brigade of Death“ ab, 30 lange Minuten dissonanter Töne aus dem Elektronikstudio zu Texten des Holocaust-Überlebenden Leon Weliczkers („Lemberger Enterdungskommando“), Zeitzeugen von Übelkeit erregender Grausamkeit (eine deutsche Übersetzung lag dem Programm zum Mitlesen bei). Die polnische Radioproduktion von 1963 war vom Sender nicht ausgestrahlt worden.

Wie ist man danach erleichtert über die Wende Pendereckis – von den Avantgardekollegen ausgebuht – hin zur Tradition, denn so kann der Abend friedlich in nur noch altersmilde atonale Chorgesänge münden.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Krzysztof Penderecki!

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