Herbsttag mit Rilke

HerbsttagHerr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

(Blick auf die Silberburgstraße, Stuttgart-Süd)

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4 Gedanken zu „Herbsttag mit Rilke

  1. Wenn ich anderswohin verlinken darf:
    Hier findet Rilke eine lesenswerte Entgegnung. Und hier wird er übersetzt, mit mehr oder weniger Erfolg.
    (Wenn ich nicht fortlinken darf, bitte den Kommentar löschen.)

    • Vielen Dank für die Links! Die Replik hat es allerdings in sich – und ich hätte gar nichts einzuwenden gegen neun Monate Sommer oder so. Spannend auch, die verschiedenen Übersetzungen zu sehen.

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