Das Taufwasser der Korruption – Ivica Djikić, „Ich träumte von Elefanten“

9783888978807_DjikicSie haben es wieder einmal geschafft: die Kausalkette des perfekten Buchmarketings von der Covergestaltung (ein großartiger Blickfänger) hin zum Titel und über den Rückentext bis zum Kauf, unabwendbar wie eine einmal in Gang gesetzte atomare Kettenreaktion. Und, auch das gehört dazu, einem überzeugenden Inhalt, der ausreichend genug das hält, was die Verpackung verspricht, so viel bereits vorab. Glückwunsch, Antje Kunstmann Verlag für die deutschsprachige Ausgabe von „Ich träumte von Elefanten“.

„In den Nachrichten erfuhr ich vom Tod meines heimlichen Vaters.“ Andrija Sučić, ehemaliger Elitesoldat des kroatischen Unabhängigkeitskrieges und Leibwächter des Präsidenten, wird vor seiner eigenen Haustür erschossen. Denn er hatte das Schweigen gebrochen, das kollektive Schweigen über die Verbrechen, welche Pate standen bei der Geburt des jungen Staates: ethnische Säuberungen, Hinrichtungen, Massengräber.

Sein unehelicher Sohn Boško Krstanović, Mitglied des nationalen Sicherheitsdienstes, beginnt auf eigene Faust nach den Tätern zu ermitteln und stößt zögerlich in ein Dickicht aus Korruption und Verstrickung vor. Ein Filz aus Politik, Justiz, Militär und organisierter Kriminalität durchdringt die Republik von den rauchigen Kellern der Halbwelt bis in höchste Regierungsämter: Staatsanwälte, die zu Beratern der Mafia mutieren; Verbrecher als Handlanger des präsidialen Büros; ein Geheimdienst, der Drogen verschiebt; ehemalige Unabhängigkeitskämpfer, die als Berufskiller ein neues Profil finden. Niemand in diesem Spiel der Macht bleibt sauber – das muss schließlich auch der verunsicherte Geheimdienstler Boško erfahren.

Der Journalist Djikić legt mit „Ich träumte von Elefanten“ einen recht packenden, stilistisch sicheren Roman vor, keinen Politthriller, sondern ein raffiniertes literarisches Arrangement vielfältig wechselnder Perspektiven und Zeitebenen (von den letzten Jahren Jugoslawiens bis zum Tode des ersten kroatischen Präsidenten Tudjmans 1999). Dass die Romanhandlung dabei manche Fragen offen lässt, ist angesichts des komplexen Themas nicht verwunderlich und jedenfalls zielführender als ein Versuch, dieses Geflecht in eine runde literarische Form zwingen zu wollen. Hilfreich erweist sich in diesem Labyrinth, dass der Autor über seine vielschichtigen, menschlichen Figuren den Leser immer wieder an den Puls der Geschichte zurückzubringt, die andernfalls als Thema vielleicht zu groß geraten wäre.

„Ich träumte von Elefanten“ wirft ein düsteres Licht auf die frühen Jahre der kroatischen Republik. Am Ende findet der Staatsgründer seine Grabstätte neben seinem ermordeten Leibwächter (und geständigen Kriegsverbrecher). Deutlicher kann das bittere Resümee Djikićs nicht ausfallen.

Ivica Djikić, Ich träumte von Elefanten. Aus dem Kroatischen von Patrik Alac. (Originaltitel: Sanjao sam slonove, 2011). 236 Seiten. Gebunden mit Schutzumschlag oder als E-Book. © Verlag Antje Kunstmann, München 2013.

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