Juan Gabriel Vásquez, „Die geheime Geschichte Costaguanas“

Projekt1Was haben der Panamakanal und der Romancier Joseph Conrad gemeinsam? Und was tiefgekühlte malariatote Eisenbahnarbeiter in den Obduktionssälen kolumbianischer Universitäten mit dem größten Finanzskandal Frankreichs im 19. Jahrhundert?

Mit viel Ironie verflicht der Erzähler José Altamirano die Wirren der kolumbianisch-panamaischen Geschichte und dieTragödien um den Kanalbau mit seinem eigenen Schicksal sowie dem des fernen Schriftstellers Joseph Conrad, den Altamirano kühn als Gegenpart seiner eigenen Existenz entwirft und sich an seinem „Schicksalsbruder“ abarbeitet.

Ein spritziges, an manchen Stellen stilistisch brillantes Buch, so der erste Eindruck, aber leider verliert die selbstironische große Geste irgendwann an Schwung und wird zur hohlen Phrase. Da geht es dem Autor Juan Gabriel Vásquez genau wie den französischen Kanalbauern, über die er schreibt: Mit kühnen Spatenstichen geht es an ein großes Werk, lange Meilen werden im Triumph genommen, bis die Kräfte langsam erlahmen und am Ende das ganze Unternehmen im braunen Schlamm Panamas steckenbleibt.

Den Kanal haben dann die Gringos aus den USA fertiggestellt (und dabei Panama zur staatlichen Unabhängigkeit von Kolumbien verholfen) – aber wer hilft „Der geheimen Geschichte Costaguanas“ wieder auf die Beine?

Juan Gabriel Vásquez: Die geheime Geschichte Costaguanas. Roman. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. (Originaltitel: Historia secreta de Costaguana, 2007). Gebunden mit Schutzumschlag. 336 Seiten. © Schöffling & Co. Frankfurt am Main 2011.

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