Carver – Stuttgarter Nu Metal aus der Hinterbank

Die Wahrnehmung regionaler Bands hat manchmal etwas so Dankbares. Ein recht überschaubarer Einsatz – ein günstiges Konzert, der Kauf einer selbstproduzierten CD, ein Posting in den social media – schafft bereits das wohlige Gefühl, Förderer der heimischen Kulturszene zu sein. So leicht lässt sich für ein paar Momente die Illusion eines Schmalspurmäzens konstruieren …

Die Stuttgarter Band Carver, ehemals Subterfuge Carver („Deathcore“), hat sich neu aufgestellt und im Februar ihr erstes Album „The Great Riot“ vorgelegt. Im Mai waren sie auf Konzert in Stuttgart und wärmten sich an einem der angenehmsten Orte der Stadt mit einem Akustik-Auftritt auf. Metal-Sound und „Great Riot“ unplugged – kann das aufgehen?

Es kann. Zwischen rotem Sofa und Schallplattenkisten spielten die fünf Musiker mit sympathischer Heiterkeit auf – eine unterhaltsame Unplugged-Interpretation ihrer Songs. „You never tried“ etwa, auf dem Album schnörkellos metallisch vorangetrieben, kleidet sich in der Akustikversion in bestes Südstaatenflair. Beim Refrain „Keep on Moving“ will man nur eines: auf den Straßen South Carolinas die Meilen fressen, die Fenster weit geöffnet – “Keep on breathing / breathing fresh air” –, während einen die Räder südwärts tragen.

Die Albumaufnahmen (zehn Songs von gut 43 Minuten Länge) warten mit anderen Geschützen auf. Treibende Rocksongs mit Clean voice-Gesang, melodiösen Refrains und (freundlich ausgedrückt) ziemlich geradlinigen Texten markieren „The Great Riot“ und beweisen in den besseren Stücken die Gabe zu überraschen, etwa mit spielerischen Progressive-Anleihen im sonst schnörkellosen Bett des Nu Metal. Zu den Höhepunkten des Albums zählt sicher „Precilla“, das flott und rhythmisch voranknüppelt – ein echter Kopfnicker.

Zwei Songs fallen aus diesem Raster: die gefällige Ballade „No one“ und das durchaus gelungene „Teardrop“-Cover (Massive Attack). Zwar muss die Coverversion ein wenig Überzeugungsarbeit leisten, gefällt dann aber immer besser: zu süßlich die ersten Takte, zu wenig markant die Stimme von Daniel Neuberger, aber dann legt der Song los (und erinnert fern an „Swamped“ von Lacuna Coil) und man denkt sich: Hut ab.

Überzeugend ist das Album alles in allem trotzdem nicht: manche Songs bleiben einfach zu flach und insgesamt fehlt „The Great Riot“ noch ein Quantum musikalischer Eigenart, an Charakter. Zu den Großen gehören Carver eben doch nicht. Und bleiben eine Stimme aus der Hinterbank.

The Great Riot
Released: 1.2.2013
Label: Supreme Chaos Records/Soul Food

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