il pomodoro im Lehen – der sympathische Italiener für den kleinen Geldbeutel

Sein größtes Kapital ist seine Einrichtung. Das Restaurant il pomodoro an der Filderstraße schräg gegenüber der markanten Markuskirche besticht durch ein sehr ansprechendes, bodenständiges Interieur. Ohne die Geschichte des Gebäudes näher zu kennen, lässt sich vermuten, dass die Räumlichkeiten einst eine bessere schwäbisch-gutbürgerliche Gaststätte beherbergten: viel Holz, halbhohe Wandtäfelungen, echtes Parkett, dazu hübsche Kronleuchter im 50er-Jahre-Stil und Bleiglasfenster. Die Bar im Eingangsbereich gewinnt sofort und den Pizzabäckern kann man bei der Arbeit am Holzofen über die Schulter schauen.

In den beiden Gasträumen geht es lebendig her, in dem stets gut gefüllten Ristorante herrscht eine gut gelaunte Atmosphäre. Die Bedienung bleibt auch in der – sich schnell mal einstellenden – Hektik immer herzlich, nicht die geringste Spur also von der Arroganz, die von den Kellnern gewisser italienischer Restaurants so perfektioniert wird. Man fühlt sich gleich wohl hier – ein Eindruck, der auch bei wiederholten Besuchen nicht verloren geht.

Neben der Karte (praktisch übersichtlich: vegetarische Pizzen bilden eine eigene Rubrik) bietet das il pomodoro eine Wochenkarte und wechselnde Tagesangebote mit Fisch und Meeresfrüchten. Das Essen wird trotz der vielen Besucher recht flott serviert, was angenehm, aber nicht zwingend nur ein gutes Zeichen ist. So zeigen sich die Grenzen des il pomodoro recht bald, nachdem man zu Messer und Gabel gegriffen hat: Das Antipastigemüse ist keiner besonderen Rede wert, der Weißebohnensalat am besten als schlicht zu bezeichnen, die Pizza immerhin kross und groß.

Als klassischer Prüfstein der italienischen Küche zeigen sich die Penne all’arrabbiata. Sofort erschnuppert die Nase köstlichen Knoblauchgeruch, die Schärfe treibt angenehm den Schweiß auf die Stirn, die Tomatensoße ist etwas dünn – und alles in allem zwar solide, aber letztlich doch etwas nichtssagend wie die halbgetrocknete Petersilie aus Streudosen (offensichtlich die Lieblingsgarnitur im il pomodoro).

Wahrscheinlich am deutlichsten sind die kulinarischen Defizite an den Desserts zu spüren – denn mit dem Wiedererkennungswert der süßen Gerichte hapert es. Sei es beim Tiramisu, das nach allem schmeckt, nur nicht satt nach Mascarpone, und mit zuckerhaltigem Kakaogetränkepulver bestreut ist (eine Sünde), oder sei es bei der geschmacksbefreiten und körnigen Panna cotta, die erstickt unter einer penetranten Schicht klebrigsüßer Johannisbeermarmelade mit einer Krone billiger Schlagsahne aus der Sprühdose.

(Um die letzten beiden Absätze ins Positive zu wenden: Die Gerichte sind entsprechend günstig. Ein vegetarisches Drei-Gänge-Menü mit einem Viertel Wein kostet unter 20 Euro.)

Prinz vergibt ganze fünf Punkte auf der Bewertungsskala. Das ist gut gemeint, viel zu gut. Seien wir ehrlich: Wenn das Essen im Mittelpunkt stehen soll (und darf!), sind in Stuttgart definitiv andere italienische Restaurants vorzuziehen. Für den ganz spontanen Besuch in herzlich-familiärer Atmosphäre oder auch für den schmalen Geldbeutel ist das il pomodoro aber immer wieder eine sympathische Wahl.

il pomodoro: Filderstraße 25 – 70180 Stuttgart-Süd

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