„Killing Them Softly“

Sie reden viel in diesem Film, die schäbigen Ganoven und kleinen Gangster, und handeln wenig, es ist fast schon ein Kammerstück, das sich in alten Straßenkreuzern und auf tristen Städtebrachen, an Hoteltischen und Theken abspielt, während aus den Radios und Fernsehgeräten die hehren Versprechungen des amerikanischen Wahlkampfs von 2008 tönen.

Langweilig wird es keinen Augenblick, dafür sorgen die geschliffenen Dialoge und die ungeheure Aufmerksamkeit, die die Charaktere erhalten mit all ihrer Schäbigkeit, ihren Hoffnungen und ihrem Elend, ihrem Eheproblem oder der Angst des Killers vor Emotionen (daher tötet er lieber „weich“ aus der Entfernung), dafür sorgen auch die wunderbar unbedarft ausgelebte Ästhetik der Kamera, die immer wieder die Szenerien in Spiegelungen einfängt, Personen im gleißenden Gegenlicht verliert oder Farben und Konturen im tristen Regen aufgehen lässt, und die Musik, Songs, die ins Schwarze treffen, die so gute Laune machen könnten, ginge es nicht um Verbrechen und Wirtschaftskrise, um gesellschaftliche Lügen und ums Sterben.

Denn ja, zwischendurch müssen sie auch sterben, diese erbarmungswürdigen Kleinkriminellen. Und während Obama am Ende im Bildschirm über dem Tresen seinen Sieg feiert, leistet der Killer Cogan eine ganz andere Bestandsaufnahme: „America Isn’t a Country; It’s a Business. So Pay Me, Motherfucker.“ Schnitt und Ende.

Eine schmutzige kostbare Perle und einer der interessantesten Kinofilme des Jahres 2012.

Regie: Andrew Dominik. Mit Brad Pitt, Scoot McNairy, Richard Jenkins, Ray Liotta. USA 2012.

http://www.killing-them-softly.de/

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