Carlos Busqued, „Unter dieser furchterregenden Sonne“

Projekt2:Layout 2„Cetarti verbringt seine Tage kiffend vor dem Fernseher und schaut mit Vorliebe Tierfilme über kannibalische Riesenkraken. Der Anruf eines Unbekannten reißt ihn jäh aus seiner Lethargie. Seine Mutter und sein Bruder sind erschossen worden, er solle sich um die Leichen kümmern. Eher unwillig macht er sich in sein abgelegenes Heimatdorf auf – ein finsterer Ort, wo die Häuser immer tiefer im Schlamm versinken und eine grelle, furchterregende Sonne die Menschen in den Wahnsinn treibt.“ (Rückentext)

Die originelle Umschlaggestaltung lenkt die Aufmerksamkeit augenblicklich auf diesen Roman. Entziffert das Auge einen Moment später den Titel, greift die Hand bereits nach dem Buch und spätestens nach der Lektüre des Klappentexts ist endgültig entschieden, dass dieses Buch gekauft werden muss, eine nur Sekunden währende Kette von Folgerichtigkeiten – und eine rundum überzeugende und gelungene Werbestrategie. Kann da der Inhalt mithalten?

Ja, er kann. Busqued entwirft in seinem Romandebüt eine Gesellschaft voller Rohheit, das Buch bietet auf 180 Seiten eine wahre Schreckensfahrt durch die dunklen Täler des heutigen Argentiniens, in dem die Spuren der Vergangenheit allgegenwärtig sind. Die älteren Menschen erweisen sich als Erben der Militärdiktatur: grob, gewissenlos und brutal; die jüngeren sind nichts als schlaffe, zugekiffte Mitläufer der Gewalt ohne einer eigenen Zukunft. Und eine wirkliche Lösung ist nicht in Sicht. Ein irres, brutales Buch und eine kleine literarische Sensation, aber nichts für empfindliche Gemüter.

Carlos Busqued, Unter dieser furchterregenden Sonne. Aus dem argentinischen Spanisch von Dagmar Ploetz.
© 2010 Verlag Antje Kunstmann

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